aktuell
architektur
fundstücke
maria flöckner und hermann schnöll
kontakt  |  mail

haus 47°40’48”n/13°8’12”e

    der mensch als gast
    norbert mayr / architektur aktuell / 5.2007

    das haus 47°40'48"n/13°8'12"e am adneter riedl im salzburger tennengau öffnet sich von nord bis süd zur landschaft. die architekten interpretierten das haus als knoten zwischen landschafts- und straßenraum. im persönlichen und infrastrukturellen netz der bewohner ist das haus nur eine station. obwohl sich der unregelmäßige grundriss an der parzellengrenze orientiert, ist der gewählte ort nur einer von vielen möglichen im zersiedelten land salzburg. dabei schaffen maria flöckner und hermann schnöll nicht nur dem grandiosen panorama eine bühne, sie lassen gleichzeitig in außergewöhnlicher konsequenz die unmittelbare ländliche umgebung in ihrem jahreszeitlichen wandel erleben.

    straße + landschaft
    friedrich ebner und heike kröpelin erwarben rund zwei kilometer südöstlich des halleiner autobahnknotens ein wiesenstück, das vor mehreren jahren ein ansässiger bauer zur bauparzelle umwidmen hatte lassen. für das bauherrenpaar bilden autobahn und straße ein wichtiges verbindungsnetz zwischen dem betrieb in deutschland, der stadt salzburg und dem adneter riedl. abgelegen vom dörflichen leben ist dort kein geschäft oder lokal zu fuß erreichbar, das auto ist überlebenswichtig. dieser kontext mit den beiden polen bewegungsraum straße und landschaftsraum prägen grundstück wie architektonisches konzept.
    die architekten maria flöckner und hermann schnöll entwickelten als „verknotung“ ein ebenerdiges, niveaugleiches gebäude. im variantenreichen entwurfsprozess blieb die dualität bewegungs- und landschaftsraum die konstante. eine mit den bauherren diskutierte versuchsanordnung thematisierte die verbindung von introvertiertheit mit bewusstem landschaftsgenuss. dabei orientierte sich das ringförmig organisierte wohnen nach innen in ein atrium. eine weitere, schmale zwischen- bzw. infrastrukturzone bildete den filter zur landschaft. diese erschloss sich erst beim hinaustreten als etwas besonderes.

    auto wohnt mit
    das weiterentwickelte konzept mündete in die interpretation der garage als straßenbucht und des wohnens als landschaftserweiterung mit einer allseitig transparenten gebäudehülle. die grenz- bzw. infrastrukturzone zwischen garage (vier plätze) und wohnen wurde schließlich zu neun, geometrisch identischen hohlkörpern 2,40 x 2,40 verräumlicht. der wald aus körperdichten „stämmen“ lichtet sich zum landschaftsraum. die teilweise von oben erhellten raummodule bergen private bereiche wie bäder, ankleiden, sowie stauräume. das raumkontinuum zwischen den wohn- und schlafbereichen an den beiden rändern ist durchlässig und eröffnet eine direkte (sicht)verbindung vom auto bis zu den terrassen.

    kuh schaut zu
    die stützen aus stahl - sie tragen den in der mitte über einen meter dicken dachkörper sind fast ausschließlich in die hölzernen raummodule integriert. so erscheint die vertikal facettierte glaswand nicht als raumbildende außenhülle, sondern als luftiger vorhang. die „schwebende“ sichtbetondecke lässt den blick zu gebirgspanorama und himmel gleiten, der boden - innen wie außen geschliffener gussasphalt mit diabas-zuschlag - leitet in die wiese. gehöfte und waldkanten erscheinen als markante punkte im landschaftsraum. von süd bis nordwest breitet sich das panorama von der osterhorngruppe über tennen- und hagengebirge, göllmassiv, zinkenkogel bis zum untersberg aus. das ausgesetztsein von objekt und subjekt - abhängig vom blick aus oder in das gläserne haus - reguliert ein schwarzer, mobiler außenvorhang. die durchlässigkeit des raschelgewirks und unterschiedliche lichtsituationen lassen filtereinstellungen zu. akzentsetzungen und -verschiebungen im tages- wie jahreszeitenrhythmus schaffen auf allen drei seiten gezielte (bild)ausschnitte und räumlich unterschiedlich exponierte oder geschlossene terrassenbereiche.
    die atmosphäre im inneren ist geprägt durch die weitgehende abwesenheit persönlicher gegenstände. die raummodule sind bedruckt mit grafischen, schwarz und weiß nuancierten motiven von nadelwäldern. farblich invers und auf den kopf gestellt erschließt sich das walddickicht von der hellgrauen sichtbetondecke zum schwarzen boden. kopfarbeit muss die optische wahrnehmung der augenlinse korrigieren.
    die graphisch gehaltenen wohnbereiche erweitern sich über den „glasvorhang“ auf terrasse und wiese. diese offenheit und durchlässigkeit wird durch feingliedrige möbel unterstützt. masselose klassiker wie beispielsweise gio pontis „superleggera“ oder bruno mathssons tisch mit geschlitzten beinen sowie roland rainers stadthalle-sessel sind im raum variabel.

    zurückhaltender geländekontakt
    hatten die beiden bauherren fernblick und horizont begeistert, so gaben die architekten dem gebäude auch einen fokus auf das nahe. jahreszeiten, lichtverhältnisse, witterung nebel, regen, sonne, wind und sturm - werden im schutz des hauses spürbar. fünf lichtkamine akzentuieren den sich in der fläche ausdehnenden baukörper mit begrüntem dach. dieser drückt sich - stabil wie eine wasserwaage - an der südecke rund einen meter in den hang, löst sich hingegen im norden deutlich von der wiese ab. das haus nimmt kontakt zum leicht abfallenden gelände auf, ohne dieses durch abgrabungen oder aufschüttungen zu verändern. während beispielsweise die bauten von lois welzenbacher auf die topografie reagieren und sie zum teil der inszenierung machen, sichert hier das scheinbare nichtreagieren auf die landschaft deren eigenständigkeit. am ende bleibt die (kultur)landschaft und der mensch als gast.


    daten | ort | leben | struktur | wohnen | technik | team | rezeption | en | fotos/video/pläne

projekte  |  wettbewerbe  |  studien, konzepte  |  werkverzeichnis  |  auszeichnungen  |  publikationen
© 2001–2017  |  maria flöckner und hermann schnöll  |  impressum  |  home