aktuell
architektur
fundstücke
maria flöckner und hermann schnöll
kontakt  |  mail

kinder- und jugendhort taxham, salzburg

    architekturlandschaften + stadtteiltherapien
    norbert mayr / architektur aktuell / 9/2001 / auszug

    das erscheinungsbild der nachkriegssiedlung „taxham“ im westen der stadt salzburg ist von steilen walmdächern geprägt. kaum energie wurde in die schaffung eines attraktiven stadtteilzentrums oder die rechtzeitige errichtung der schulen gelegt. räumliche qualität und eine intelligente strategie standen jedoch im mittelpunkt der nunmehrigen erweiterung des schulkomplexes um einen kinder- und jugendhort. die salzburger architekten maria flöckner und hermann schnöll setzten bei ihrem erstlingswerk eine markante „holzhaube“ auf den sporthallentrakt, werteten den schulhof auf, statt ihn zuzubauen und verbanden grosszügige räumlichkeiten, ökologischen anspruch und geforderte wirtschaftlichkeit miteinander. die verknüpfung mit der öffentlichkeit rund um das haus steht am beginn einer noch zu intensivierenden freiräumlichen aufwertung taxhams.

    der realisierung des sechsgruppigen kinder- und jugendhortes taxham ging ein bauträgerwettbewerb voraus. das billigstbieterprinzip war vom gemeinderat beschlossen worden. hochbauamt, baudirektion und christine und horst lechner als berater des auslobers entwickelten ein prozedere, bei dem die kostengarantie nicht im zentrum der projektfindung stand, aber eine obergrenze formuliert wurde. ökologie, die berücksichtigung von folgekosten sowie städtebaulich-architektonische qualität waren wesentlich. am vorgeschalteten auswahlverfahren bewarben sich 40 bauträger-architekten-teams mit fachleuten aus den bereichen energietechnik, umweltanalytik, bautechnik und kinderpädagogik.
    die architekten flöckner und schnöll mit dem bauträger immorent überwanden gemeinsam mit engagierten sonderfachleuten, den energieplanern gmi-ingenieure, dem kaufmann holzbauwerk sowie der pädagogin irmgard wallner diese hürde, setzten sich beim anschliessenden wettbewerb durch und konnten ihre ideen ohne gravierende abstriche umsetzen.
    der hort sitzt als leichte „holzhaube“ auf dem bestehenden sporthallentrakt der volks- und hauptschule. im besten sinne „ökonomisch“ spielte diese intelligente entscheidung den kostbaren schulhof frei, statt ihn – wie die meisten lösungsvorschläge beim wettbewerbsverfahren – zu verbauen. der spiel- und pausenhof wurde neu gegliedert, ein kleiner hain mit duftenden sträuchern und essbaren früchten gepflanzt. als kommunikative formen verstehen die architekten die auskragungen, unter denen sich regengeschützte bereiche befinden. sie sind teil der unverwechselbaren prägnanz des in holztafel-bauweise errichteten baukörpers mit seinen eigenwilligen umstülpungen, faltungen und klappungen.
    dieses gebilde als durchdachte vernetzung von innen-, frei- und öffentlichen räumen könnte ein nukleus werden, um den ganzen schulbezirk besser erreichbar zu machen. verbindungstreppen öffnen den hof richtung wohnquartier, pfarrzentrum und zu den freizeiträumen. der übergang über das gebäude ist allerdings oft versperrt.
    auch für das intelligente energiekonzept bildet die einhausung des sporthallentrakts, die zudem optimale belichtungsverhältnisse ermöglicht, eine wichtige voraussetzung. durch massnahmen wie hohe wärmedämmung und kontrollierte raumlüftung im winter ist der zusätzliche fremdenergiebedarf des horts annähernd null, entpricht er doch dem ehemaligen wärmeverlust der darunter liegenden sporthallen.
    dem primären entwurfsthema, der „haube“ als wärmende umhüllung des inhalts, entspricht auch die organisation des inneren mit der offenen halle und grosszügiger raumfolge. aufgeklappte dachflächen tragen zur differenzierten lichtregie bei. die halle hält den kindern und jugendlichen eine vielfalt an bewegungsmöglichkeiten, ausweichwegen und rückzugsbereichen (nischen, matratzenlager u.ä.) bereit. hinter transluzenten glaswänden finden sich sanitärbereiche, werkraum, garderobe etc. der speiseraum ist teil der hohen halle und dem bewegungsraum benachbart, nur durch eine glaswand getrennt. warme, zurückgenommene farbtöne – es dominiert ocker – sind mit holzwand und decke aus birkensperrholz abgestimmt. die ruhigen und lichten sechs gruppenräume sind an die altersstruktur der kinder angepasst. jene für die sechs- bis zehnjährigen sind durch eine verschiebbare abstellbox ähnlich einer wohnung gegliedert und können als grosser einraum verwendet werden. eine andere gruppe erhielt eine spielhöhle. der altersgruppe der zehn- bis vierzehnjährigen wird ein raumkontinuum im turmförmigen bauteil angeboten, eine abfolge von neun höhenversetzten podesten mit verschiedenen nutzungen (hausübungen, fernsehen, „labor“, kleingruppen).
    hat sich die hortleiterin auch entschlossen, dieses „raumlabor“ durch eine gläserne trennwand in zwei gruppen zu teilen, so nutzt sie dennoch die grosszügigkeit der haupthalle: zu deren optimalen einbeziehung wurde das pädagogische arbeitskonzept neu überdacht und eine öffnung der gruppen eingeleitet. in weiterer folge soll gruppenübergreifendes arbeiten und spielen möglich werden, was den kindern ein breiteres spektrum an kontakten und erfahrungen bietet.
    der kinder- und jugendhort taxham hat gemeinsam mit architekt max rieders kindergarten in aigen den landesarchitekturpreis 2000 gewonnen. die zu spürende, gelungene inbesitznahme durch die jugendlichen löste den anspruch des architektenduos ein, einen „sozialen und aktivitätengenerierenden ort“ zu schaffen.


    daten | wettbewerb | milieu | technik | energie | team | rezeption | en | fotos/video/pläne

projekte  |  wettbewerbe  |  studien, konzepte  |  werkverzeichnis  |  auszeichnungen  |  publikationen
© 2001–2017  |  maria flöckner und hermann schnöll  |  impressum  |  home