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kinder- und jugendhort taxham, salzburg

    soft landing – bauen ohne boden
    roman höllbacher / architektur und bauforum 1-2001

    bekanntlich denken coop himmeblau bei einem springenden wal an 30t fliegender masse. die metaphorische momentaufnahme weitergesponnen, stellen sich maria flöckner und hermann schnöll die frage, wie man ein fliegendes paket dieser größe sanft vom himmel auf die erde holt.

    wenn es für architekten wirklich soetwas wie schöne bauaufgaben gibt, dann gehört ein kinderhort, also eine nachmittagsbetreuungsstätte für kinder berufstätiger eltern, vielleicht nicht dazu. es bleibt doch immer die trauer darüber, daß es diesen kindern nicht gegönnt ist, ihre freizeit zu hause zu verbringen. aber wahrscheinlich ist das die romantische vorstellung von einem, der ohne kindergarten und -hort groß geworden ist.
    für die stadtgmeinde salzburg als auftraggeberin des kinderhorts in taxham stand zunächst auch anderes im vordergrund. sie wollte nicht nur ein möglichst günstiges, sondern, der ständigen debatten um kostensteigerungen leid, ein bauwerk zu vorab garantierten fixkosten. maria flöckner und hermann schnöll gelang trotz dieser rigiden vorgaben ein berückendes bauwerk, das erst kürzlich von einer prominenten jury den architekturpreis des landes salzburg zugesprochen bekam.
    im wettbewerb – ein bauträger garantierte die kosten für das jeweilige entwurfskonzept – distanzierten sie durch akribie und witz die konkurrenten. sie sezierten das programm und sparten erschließungsflächen, damit kubatur, und sie verzichteten auf liebgewordene details. die beiden architekten haben ihren erstling nicht nur zwischen die zeilen der architektur, sondern auch der geschriebenen und ungeschriebenen gesetze gebaut. ihre haltung hat sich von den aristokratismen der moderne befreit. aufgewachsen in 70er jahren als bildung und der zugang zu akademischen berufen plötzlich nicht mehr das privileg einer klasse war, wird ihr unverzopftes naturell heute zur ressource.

    charakteristika
    der schulkomplex, in dem sich der neue kinderhort befindet, stammt aus diesem dezennium: waschbeton in zwei länglichen, dreigeschossigen zeilen und eine verbindende turnhalle um einen zentralen hof. wie oft wurde schon gegen diese x-fach kopierte einfalt polemisiert und wie unrecht ist diese kritik, wenn man sie vor einem sozialen hintergrund betrachtet. daß gerade dieser innere hof als letzte flächenreserve für den neubau herhalten sollte, lehnten flöckner/schnöll ab und entschieden sich, entgegen der ausschreibung, die baumasse auf den rücken der turnhalle zu packen. daß es sich hierbei um eine königsidee handelte, stellte sich rasch heraus. eine möglichst leichte konstruktion aus holz war aufgrund der statisch begrenzten belastbarkeit vorprogrammiert. diese leichte "haube" ist über die gelungene metapher hinaus, ganz real die thermische bedeckung der alten turnhalle. die erzielten einsparungen decken den gesamten heizbedarf für den kinderhort! architekten und energieingenieure zeigten, was nachhaltigkeit heißt, und daß sie nichts mit dem bau hochgerüsteter energieeinsparmaschinen zu tun hat.
    der innenraum ist als großes volumen begriffen, aus dem einzel-, gruppen- und gemeinschaftsräume herausgeschält werden. ebenen, nicht geschoße, schaffen horizontale schichten, so daß stets der ganze korpus erfahrbar bleibt. diese große bergende hülle wird zur umarmenden geste, die wiederum nach außen, in den innenhof ausgreift und dort witterungsgeschützte freiflächen anbietet. aufgeklappte oberlichtfenster, die wie froschaugen aus einer wasseroberfläche hervorlugen, geben ihr eine assoziativ verspielte physiognomie.
    bei den materialen zeigen die jungen entwerfer distanz zu teuren stoffen. sie protzen nicht mit hochgezüchteten details, um zu zeigen was sie als architekten so drauf haben. solch´ purismus wurzelt natürlich in der wiener moderne, nur hat ein adolf loos das stoffliche moralisch apostrophiert, um den ornamentalen zauber von historisten und sezessionisten als talmi-plunder zu entblößen. dieser eifer fehlt hier.

    die intellektuelle leistung des entwurfs liegt in der selbstverständlichen akzeptanz der nahen vergangenheit sowie der gegenwart mit der verknappung an (finanziellen) ressourcen. das rucksackartig aufgesetzte objekt, das keinen neuen boden beansprucht und kein selbstständiges bauwerk mehr ist, erlaubt auch kein mühseliges auseinanderklauben von alt und neu. für das generelle problem dieser aus mannigfalten aspekten sanierungsbedürftigen bauten folgt daraus, daß es intergraler konzepte bedarf, die sich aus kraft des architektonischen entwurfs legitimieren.
    studieren sollten den bau alle jene sonntagsreder, die heute von sozialer treffsicherheit faseln. vielleicht begreifen sie dann, daß mit sparen, vorausgesetzt es geschieht mit hirn, auch neue qualitäten erzielbar sind. für die kids dürfte das ziemlich belanglos sein. für sie entstand eine tolle benutzeroberfläche für ihre nikes, scooters und inline-skaters. es erscheint so als haben architektur und jugendkultur einmal zwanglos zueinandergefunden.


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