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mönchsberg-panoramalift, salzburg
    juryprotokoll (auszug)

    projekt 3 mag auf den ersten und flüchtigen blick als das unauffälligste der eingereichten projekte erscheinen. mit dünnen, fast unsichtbaren strichen kartographiert, ist es jedoch das unnachgiebigste, klarste, aber auch sprödeste und unversöhnlichste aller projekte. entschieden wird das für die talstation vorgesehene und bestehende haus aus der fassadenflucht der gstättengasse gelöscht. das gelöschte haus wird nicht ersetzt, es bleibt eine lücke oder mit der löschung wird diese lücke konstruiert – und zwar als ausgesprochene absenz des historischen oder vergangenen. in diese lücke (in diese abwesenheit) wird kein verkehrsbauwerk eingefügt, es wird auch kein lift oder aufzug eingefügt. was vorgeschlagen wird, ist eine art plattform, ein platz (also eine fläche von kollektiven erfahrungen) der nach oben offen und dem wetter ausgesetzt ist. dieser platz ist nicht statisch, sondern beweglich. er löst sich aus der lücke, um eine zweite, überlagerte abwesenheit zu erzeugen und transportiert den besucher nach oben zum berg, zum museum oder führt den besucher wieder in die fläche der stadt zurück. weitere maßnahmen: ein massiver angriff oder eingriff in das im bau befindliche museum. der gegen den felsabbruch der stadt gelagerte zugang zum museum wird an der südseite parallel zur felskante gelegt. eine maßnahme, die vorgebene bedeutungen verschiebt und das im bau befindliche museum und den besucher rekonfigurieren könnte. der besucher ist immer - vor dem betreten des museums - im aussenraum, entweder im aussen der stadt, im aussen des berges oder auf der fläche des fahrbaren platzes. das museum wird von aussen betreten und erfährt somit als gebäude eine klar definierte grenze. der punkt des eintretens wird klar definiert, eine lesart die den beginn des museums bereits am anton neumayer platz sieht, ist nicht möglich. so sehr das im bau befindliche museum durch projekt 3 rekonfiguriert werden mag, so sehr wird es gleichzeitig als autonome einheit gestärkt und bestätigt.

    parallel dazu findet jedoch noch etwas statt. es ist die konfiguration des besuchers. der besucher, der aus diesem projekt abgeleitet werden kann, wird nicht sosehr aus dem inneren eines zuges, eines flugzeuges oder aus dem inneren eines autobusses vor der talstation abgesetzt werden. er wird nicht vom inneren des autobusses in das innere der talstation, in das innere des lifts, in das innere des foyers, in das innere des museums huschen. in projekt 3 wird der besucher des mönchsberges als spaziergänger definiert, als einer der sich über weite strecken im aussenraum befindet und der inneres, gebäudeinneres, als besonderheit aufnimmt. bei genauer beobachtung kann man natürlich die präzision und subjektivität der tektonischen reflexe des projektes lesen, aber irgendwie ist diese tatsache im projektzusammenhang wie eine nachricht aus einer anderen welt. die wesentliche qualität des projektes ist die anmaßung (zugleich ein gefühl umfassender verantwortlichkeit und zuständigkeit), an den verschiedensten stellen, in verschiedenste projekthegemonien korrigierend und kritisierend einzugreifen, im diskursiven mitzuplappern sozusagen - nach genauer anhörung des sachverhalts – konstruktive lösungsvorschläge vorzulegen und diese gegen die schwerkraft durchzusetzen.

    jury: wolfgang tschapeller (vorsitz), luigi snozzi, stefano de martino, aurelio galfetti, reiner kaschl, klaus friedrich, gunther mackinger, agnes husslein

    weitere teilnehmer: udo heinrich, delugan_meissl (sieger), helmut richter, dietmar feichtinger (nachrücker), hans hollein, zaha hadid (2.rang)



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