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making waves – architektur und landschaft

    Architektur & Bauforum
    Text: Volker Dienst / Magazin / 21.11.2003

    Making Waves

    Architektur-Export – Oder wie junge österreichische Architektur in China Wellen schlägt.

    Pudong, der moderne Businessdistrikt von Shanghai, ist in den letzten Jähren zum Symbol für das unglaublich rasante Wirtschaftswachstum Chinas geworden - und mit ihm das Wahrzeichen Shanghais - der Oriental Pearl Tower. Am Fuße des zweithöchsten Fernsehturmes der Welt wurde Mitte September die erste „Environmental Art Exposition” in China eröffnet und mit ihr eine Leistungsschau junger, innovativer österreichischer Architektur mit dem Titel „making waves”. Über eine Publikation hatten die Expo-Organisatoren von den Arbeiten der jungen Österreicher erfahren, und weil die Arbeiten gefielen, wurde „architektur in progress” kurzerhand eingeladen, zum Thema „Architektur und Landschaft” eine Ausstellung für Shanghai zusammenzustellen. In enger Zusammenarbeit mit der Initiative YEAA (Young European Asian Architects) wurden 25 Projekte ausgesucht. Der Bogen spannt sich von kleinen, aber innovativen Einfamilienhäusern bis hin zu großmaßstäblichen städtebaulichen Visionen. Den Initiatoren war es ein Anliegen, dass neben den Wiener Teams auch Arbeiten aus den Bundesländern vertreten sind, und so wurden Projekte der Teams querkraft, Delugan_Meissl, gerner°gerner+, propeller z, BKK3, pool, the next ENTERprise, rainer pirker architeXture, BN Architekten, hobby a., urban fish 2, Mladen Jadric, Flöckner & Schnöll, Thomas Forsthuber, ko a la, HOLODECK.at mit Marc Gilbert und Machne & Durig Architekten ausgewählt. In Zusammenarbeit mit dem Pneu-Pionier Michael Schultes wurden neun aufblasbare Kuben aus transparenter PVC-Folie entwickelt, die von je 22 Quadratmetern bedruckter Textilbahnen umspannt sind. Bereits bei der Expo-Eröffnung in Shanghai entwickelten sich die hinterleuchteten Würfel zu einem beliebten Anziehungspunkt für viele neugierige Besucher.

    Die Ausstellung sollte Ursprünglich bereits im Mai dieses Jahres stattfinden. Der Ausbruch der SARS-Epidemie machte jedoch alle Pläne zunichte - die Expo wurde kurzerhand abgesagt. Als dann die Einladung im zweiten Anlauf für September kam, standen den Organisatoren gerade knappe zweieinhalb Monate zur Verfügung, um die Ausstellung zu produzieren und nach China zu transportieren. Nur dem unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten und der finanziellen Unterstützung des Bundeskanzleramtes war es zu verdanken, dass die Ausstellung doch noch rechtzeitig in Shanghai aufgebaut werden konnte. Nach der Expo war „making waves” im Shuiqing Muhua Museum in Shanghai zu sehen und danach in Nanjing. Anfang Dezember eröffnet die Ausstellung in Shenzhen, von wo sie weiter nach Guangzhou wandert, um schließlich im Jänner 2004 in Beijing gezeigt zu werden. „making waves” sollte auch für das Knüpfen neuer Beziehungen zu China genutzt werden. Parallel zur Ausstellung wurde „architektur in progress” von den wichtigsten Universitäten, aber auch von Investoren eingeladen, Vorträge zu organisieren, weshalb Anfang September vier der ausgestellten Architektenteams nach China reisten. Die Vorträge von Roman Delugan, Jakob Dunkl, Rainer Pirker und Manfred Berthold fanden in Shanghai und Nanjing mit so großem Erfolg statt, dass für November 2003 eine zweite Vortragsreihe geplant wurde, bei der weitere Teams ihre Projekte in Beijing, Guangzhou, Shenzhen und Hongkong vorstellen. Bereits die ersten Vorträge haben Einladungen zu Workshops und Gastprofessuren nach sich gezogen, ja sogar Angebote von Investoren. China scheint sich nach den Jahren der superlativen Bauquantität nun zaghaft aber doch für Qualität und Nachhaltigkeit zu interessieren, „architektur in progress” sieht darin eine große Möglichkeit, durch aktive Netzwerkarbeit den österreichischen Architekturexport anzukurbeln. Dafür ist aber die ernsthafte Unterstützung seitens der öffentlichen Hand notwendig.

    Deutschland und Frankreich investieren seit einigen Jahren enorme finanzielle Mittel, um Architekten wie Bauindustrie in China forciert zu positionieren. Auch die Schweiz hat erkannt, dass es sich lohnt, auf diesen Hoffnungsmarkt zu setzen, und fördert seit 2001 großzügig die kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Nationen. In Österreich fehlen bis dato die entsprechenden Mittel, um den Export österreichischer Architektur- und Planungsleistungen nachhaltig zu fördern. Seit wenigen Monaten gibt es zumindest Absichtserklärungen entscheidungstragender Politiker, für die „Exportoffensive der österreichischen Kreativindustrie” künftig entsprechend gut dotierte Fördertöpfe bereit stellen zu wollen. „making waves” konnte das Tor nach China öffnen - es wäre ein Leichtes, ein öffentlichkeitswirksames Lebenszeichen der Austrian-Creative-Industries in den chinesischen Wachstumsmetropolen zu setzen! Bleibt zu hoffen, dass dieses Potenzial auch von den maßgeblichen Politikern erkannt wird - denn man bekommt niemals eine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen!

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