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der traum von einem feentempel

poelzig-festspielhaus hellbrunn (1922) // 100 jahre salzburger festspiele – künstlerische interventionen zu nie gebauten festspielhäusern / 20 / m. norbert mayr / schlosspark hellbrunn / a-5020 salzburg.


die intervention in hellbrunn entsteht im rahmen des jubiläumsprojektes „orte für das festliche spiel“ 2020, das an vier ausgewählte der nicht realisierten festspielhausprojekte in salzburg erinnern wird.

der theatermagier und festspielmitbegründer max reinhardt schwärmte bereits in einer „denkschrift zur errichtung eines festspielhauses für hellbrunn“ 1917 von diesem durch die trambahn „rote elektrische“ gut erschlossenen ort „abseits vom städtischen alltagsgetriebe“, „der durch natürliche und künstlerische weihe so ausgezeichnet erscheint, dass die menschen in den sommerlichen ruhetagen, befreit von ihren sorgen und mühen, gerne hinpilgern.“

ab 1920 machte der deutsche architekt hans poelzig entwürfe für ein weitläufiges festspiel- ensemble. in dieser ersten entwurfsphase bettete poelzig die festspielhäuser für 800 bzw. 2000 personen sowie ein abgerücktes restaurantgebäude – direkt dem hellbrunner berg benachbart – mit einem netz an wandelgängen und pavillons in die ansteigende topografie ein. so war auch das große haus, das bergartig aus dem gelände wuchs, von „rokoko-flammen“ umspielt. außen kaskadenartig terrassiert und begehbar, hat es poelzig schließlich zu einem strengen, mächtigen, von der kegelpyramide des zuschauerraums dominierten baukörper versachlicht, für den 1922 feierlich der grundstein gelegt wurde.

2020

die intervention für 2020 misst im nachhinein den fußabdruck des mächtigen bauprojektes ein, macht somit die dimension des dritten und letzten poelzig-festspielhausprojektes vor ort erneut bewusst und sichtbar. ein gefasster raum tut sich gleich einer baumaske auf, welche im bereich des hellbrunner parks axial durchschritten werden kann – die einzelnen räume im haus werden hier vor dem geistigen auge lebendig.

TAKEAWAY

die elemente des einmessens des fußabdrucks dürfen als erinnerungsstücke vom besucher mit nach hause genommen werden („TAKE AWAY“). der umriss löst sich nach und nach auf, die erinnerung aber bleibt zurück, bzw. verteilt sich in einem weiteren, privaten raum.

zu besonderen anlässen (festspieleröffnung) können ausgewählte leerstellen durch nachstecken einzelner stäbe geschlossen werden, der fußabdruck wird wieder klar erkennbar.

PLATZANWEISER

die ca. 220 meter lange achse der PLATZANWEISER erstreckt sich vom hellbrunner park über die geländekante „katzenbichl“ hinweg bis weit in das tiergartengelände (ehemals „hirschgarten“, jetzt nashorngehege) hinein. sie bleibt über das jahr erhalten und bietet orientierung innerhalb des imaginierten festspielhauses. verbunden sind die 20 PLATZANWEISER durch eine weisse achslinie.

sowohl die achse der PLATZANWEISER, als auch die umgrenzende linie der take aways werden 14-tägig in einer breite von ca. 120 cm freigemäht, die dimensionen des festspielhauses werden durch das abschreiten real.

BRETTER (DIE DIE WELT BEDEUTEN)

die achse der PLATZANWEISER wird durch die bühnenöffnung (eiserner vorhang) durchschnitten. an diesem schnittpunkt und in der breite der bühnenöffnung werden holztafeln zu einem massiven brettstapel aufgeschichtet, eine spielfläche konzentriert sich zu einer 24 meter breiten und zirka 40 zentimeter hohen schwelle, übertritt inklusive.

die schwelle, welche mit der freistehenden baumreihe am ende der parkwiese zusammenfällt, lädt unter den baumkronen zum verweilen ein. dazu gesellen sich tische aus dem fundus der festspiele, das spiel kann beginnen.

elemente TAKEAWAY

aus: weiß getünchten, gehobelten vermessungspflöcken, ca. 100 cm hoch, querschnitt ca.
44*24 mm; bedruckt mit einem aus 3-4 poelzig-projekt-spezifischen kurzzitaten, projekttitel, kleinem, abstrahiertem festspiele-logo, numerierung und je einem einzelbuchstaben – welcher jedoch zusammen mit allen anderen stäben einen textauszug widergibt:

poelzig betonte in seiner rede vor der festspielhausgemeinde in salzburg 1920:
„wer diesen festplatz betritt, muss zeit haben, er muss alles hasten vergessen, und die gestaltung der anlage muss ihm dieses vergessen und versinken in das schauen und hören allein mit aller gewalt aufzwingen.“

EPILOG

das großzügige gebäudeensemble von 1920 ging in die architekturgeschichte des expressionismus ein: das 160 mal 110 meter große bauprojekt von 1922 blieb – ohne die erhoffte internationale finanzierungshilfe und durch die inflation unrealisierbar – auf dem papier.