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wir sind schon drin!!

wir sind schon drin!! // architekturtage 2008 / rauminstallation im periscope:project:space / a-5020 salzburg.


gemeinsam mit periscope haben wir uns auf raumsuche begeben – nach räumen, welche wir in uns selbst tragen. franz xaver baier spricht in seinen „prolegomena zu einer architektur des gelebten raumes“ vom ungelebten, gelebten und erweiterten raum. seine untersuchung diente uns als ein ausgangspunkt.

einleitung: wir sind schon drin
um sich dem thema zu nähern kann man wie sloterdijk, wenn er sich der gewalt nähert, eine übung vorausschicken: „dass die sache nicht von vornherein falsch objektiviert wird, scheint es mir ratsam, gleich zu beginn die distanzillusion platzen zu lassen, die uns selbst in eine befriedete zone und die gewalt vor die grenze plaziert. was ich statt dessen vorschlage, ist eine übung im sphärischen denken – wobei sphäre dem griechischen wortsinn gemäß mit kugel übersetzt werden soll. gehen wir also unser thema im stil einer kugelmeditation an. nachdenken über gewalt könnte beginnen mit dem andenken jener hyper-kugel, die hier ohne weitere rechtfertigung als sein bezeichnet werden soll. dasein hieße immer, in einer sphäre sein oder von einer sphäre enthalten werden. meine these lautet nun, dass das, was wir meistens ohne nachdenken und mit blick auf einzelfälle als „gewalt“ bezeichnen, seiner natur oder ausbreitungsform nach ein sphärisches format hat. wenn „es“ sie „gibt“, dann im modus des überall-seins, man könnte auch sagen: in elementarischer oder medialer verteilung. man kann der sphäre, die einen umschließt, also nicht gegenüberstehen wie einem tafelbild“. kurzum, wir befinden uns im lebensraum schon immer drin. das klingt banal. aber es wehrt die vorstellung ab, dass das drin-sein wie ein gegenstand einer schachtel vorkommt. vielmehr ist das drin-sein eine fundamentale verfassung unserer existenz in dem sinn, dass wir die wirklichkeit immer durchwirken, sowie sie uns immer durchwirkt. das ist heideggers „schon-sein-in“ plus deleuze/ guattari’s „taumel der immanenz“.
der mensch ist seiner verfassung nach selbst räumlich. nur deshalb können wir uns durch den raum bewegen, zusammenhänge verstehen und uns mitteilen. nur deshalb können wir uns durch eine bestimmte objektwelt einrichten und ausdehnen. mittlerweile hat auch die chaostheorie erkannt, dass zwei körper in einem raum, auch wenn sie voneinander getrennt sind miteinander in verbindung stehen und „aktiv korreliert bleiben“, – und zwar „direkt und unmittelbar“, ohne geheimnisvolle kräfte und felder.“

aus: franz xaver baier, der raum. verlag der buchhandlung walther könig, köln, 2000.


correalismus
worin begründet sich für den designer die wirklichkeit? wenn ein gebäudekomplex nicht nur das ist, was er als geometrische form darstellt, sondern das, was er ausstrahlt, so liegt die realität in der wechselwirkung natürlicher kräfte, die der designer zusätzlich in seinem künstlich technischen produkt in eine neue organisationsform gebracht hat. diese realität ist die wahre wirklichkeit. seine objekte und ebenso jene der natur sind orte des kräfteaustauschs. die wirklichkeit besteht nicht in den begrenzungen eines körpers an sich, sondern in der kraft zu harmonischem zusammenwirken. die wirklichkeit liegt also nicht in einem objekt, sei es nun natürlich entstanden oder vom menschen geschaffen, sondern im correalismus. correalismus ist die eigentliche, das leben vorantreibende kraft. correalismus ist die kraft des inneren zusammenhangs. er ist der innere zusammenhang. correalismus ist jener begriff, der mir am geeignetsten erscheint, die verdichtung der dynamik des inneren zusammenhangs zu bezeichnen. das studium der struktur des inneren zusammenhangs muß letztlich die barrieren zwischen allen wissenschaften zum verschwinden bringen; dieses einstürzen hat bereits vielerorts begonnen. aber correalismus muß erst als eigene wissenschaft eingeführt werden. wenn sich der designer in zunehmendem maße der erkenntnisse des correalismus bei der gestaltung von gebäuden bedient, wird sich für seine methode der begriff biotechnique durchsetzen. diesen ausdruck habe ich geschaffen, um die wissenschaft von der behausung des menschen zu bezeichnen.

aus: friedrich kiesler, correalism. bioxtechnique. a new approach to design, typoskript, archiv friedrich kiesler, um 1938.


fragen: ist unvereinbarkeit die eine motivation für raumproduktion? wird lebensraum durch teilung hergestellt? was heisst es, zusammen zu leben? ist alles eine frage der erschliessung? was heisst raumordnung? gibt es eine grammatik der raumwahrnehmung? wie verläuft kommunikation über raumgrenzen hinweg? wozu zwingt räumliche trennung? wie wird kommunikation durch räumliche trennung modifiziert? ist die trennschicht also medium?

um den austausch zwischen zwei lebensräumen experimentell beobachten zu können, entschlossen wir uns, zwei im wesentlichen zueinander unabhängig besetzte zonen aneinander zu stellen. eine zwischen boden und decke gepannte, durchlässige vlieswand teilt den vorhandenen, quadratischen raum. in die äussere zone haben wir „ausschnitte“ unseres atelierraumes (welcher real nur einen stock über dem periscope-raum liegt) zur vorübergehenden verwendung übertragen, die innere zone sollte das periscope-team besiedeln.


vorspann
unsere gespräche mit den architekten kehren raumdefinitonen hervor, die für sie bestimmend und ausschlaggebend scheinen: eine davon formuliert hermann als ‚unvereinbarkeitstheorie‘: regen sei unvereinbar mit jemandem (ihm), der trocken bleiben will – also spannt derjenige einen schirm auf und – es werde raum. maria trägt den ausgrenzenden, abwehrenden teil der theorie nicht voll mit – der positiv formulierte gemeinsame nenner klingt in unseren ohren so: raum ist erst dann raum, wenn es benutzer gibt, seien es mäuse, vögel oder schafe. periscope drückt seine vorbehalte gegen tierhaltung im project:space aus.

rahmenbedingungen
die architekten sprechen von einer zweiten benutzerorientierten idee. wenn schon keine mäuse – der raum hat doch schon seine lebewesen, nämlich uns, das periscope-team. also warum nicht hier in diesem raum, der üblicherweise als ausstellungs- und präsentationsraum gesehen wird, eine rastmöglichkeit für uns vorsehen. die idee des raumes im raum ist geboren – es gibt den rahmen draußen hier wird gedacht und geplant. Es gibt den raum innen – hier soll gelebt, benutzt, gerastet werden oder andere lebensweisen platz haben. die transparente grenze ist mehr gedacht als getan – auf alle fälle ermöglicht sie die gegenseitige beobachtung.

vorsatz
mit der benutzterorientierten raumdefintion – raum ist nicht, wenn keine benutzer sind -bezieht uns indirekt ein ausstellungskonzept mit ein, für das wir uns zunächst einmal nur als veranstalter verantwortlich gesehen haben. was also tun mit dem wieder gestifteten kubus? als lebendes inventar wollen wir uns nicht auffassen und ausstellen lassen – achja und auch die möglichkeit, hier jemanden anderen einzuquartieren, haben wir ausgeschlagen – (der periscope:project:space hat früher schon einmal als wohnatelier verwendung gefunden.) es folgt unsererseits ein blitzgewitter an einfällen, die sich alle drauf beziehen, nicht leben an sich vorzuleben oder vorzuspielen, sondern möglichkeiten einer künstlichen raumgestaltung anzudenken und durchzuspielen.


text periscope
raumidee-sammlung: (bitte nachdenken und weitere anfügen…)

1 luftballons
mit gas oder ohne. einzelne, wenige, hunderte bevölkern diesen raum. sind eine einladung, sich sorglos hier aufzuhalten wie kinder, die in den mit spielbällen %gefüllten glaskästen von großkaufhäusern sich austoben können und gleichzeitig sicher verwahrt sind.
2 personenersatz (kleid, vogelkäfig)
ein rotes kleid, ein weißer vogelkäfig in vertretung für nicht vorhandene lebewesen führen den raum ins surreale. weicher gegenstand wäre nicht möglich, welche konstellation denkbar?
3 fingerabdrücke als beweise einer raumnutzung
überall fingerabdrücke. nur unter einer speziallampe sichtbar (elisabeth) oder mit druckerschwärze inszeniert (stefan).
4 raumknicke (lampe)
jedem menschen seinen knackser, jedem möbel seinen knick: tisch, lampe, sessel, regal.
5 papierrolle zum ausbreiten
eine endlose papierrolle wird von uns als zeichen des gemeinsamen denkens beschriftet und bezeichnet.
6 projektionen von lichtpunkten
projizierte lichtpunkte tanzen die haut des kubus entlang (elisabeth) oder künstlicher nebel macht lichtstrahlen sichtbar (stefan).
7 tonaufzeichnungen der gespräche
sitzgelegenheit und tisch. lautsprecher oder kopfhörer geben die vorgespräche eins zu eins wieder. eventuell verzerrungen, und manipulation durch hall, schnitt oder abspielgeschwindigkeit, um eine räumliche verfremdung zu erzielen.
8 flüssigkreidebeschriftung – weiß gestrichene möbel, grau gestrichene möbel
die weiße oder graue farbe verwandelt die gebrauchsgegenständen zu ausstellungsstücken. grau schafft eine verbindung zum boden, weiß zu den wänden. eventuell: handlungsvorschläge, auf die möbel geschrieben.
9 roleaus aus transparenter folie (elisabeth)
überhaupt transparentes mobiliar (stefan) aus folie an nylonfäden abhängen. idealraum gedachte benutzbarkeit.
10 lauftrainer mit beschriftetem laufband (stefan) – hometrainer zum treten verursacht kritzelspuren im raum (elisabeth)
anstelle mit dem tachometer des hometrainers wird der rotierende draht mit einem dann wild kritzelnden stift verbunden. raum durch repetative bewegungsabläufe. korreliert mit der vorstellung eines laufrades von flöckner schnöll.
11 möbel in raumschicht zerteilen, abtragen
12 …
13 auf weißes viies schreiben außenhaut als kommunikationsdokument beschriften.
14 raumschnitte
der raum wird wieder und wieder durch schnittpunkte zweier linien geteilt. auch als
performance denkbar – zwei performer, schwarzstift, lineal
15 abtrennung aus karton eine trennwand aus braunem karton teilt den raum in der diagonale – keine transparenz des raumes – dafür geborgenheit durch eine rückwand?
16 projektionen in die kisten projektionen auf die innenwände der grauen kisten zeigen uns beim luftballon spielen
17 pantomime die als touristenattraktionen bekannten monochromen pantomimen werden als raumnutzer engagiert
18 sonnensystem welches modell unseres sonnensystems hätte in unserem kubus platz?
19 räumliche verzerrungen von gegenständen (ver)zerrungen wie sie vielleicht bewegung im bild verursacht werden an gegenständen modelliert
20 pigmentstaubexplosion eine staubwolke bringt leben in den sterilen raum macht das vlies stellenweise blickdicht. der raum ist nicht begehbar – black, red, oder blue box.