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salzburger künstlerhaus

künstlerhaus, salzburg // generalsanierung und restauration / bauzeit phase 1: ix/2009-ix/2010 / bauzeit phase 2: viii/2015-iii/2016 / bauherr: salzburger kunstverein / adresse: hellbrunner strasse 3, a-5020 salzburg.


baugeschichte 1887

allgemeine bauzeitung (1887):
das künstlerhaus in salzburg.

architekt: professor hyazinth michel in salzburg.

das künstlerhaus verdankt seine entstehung einer anzahl kunstsinniger männer, welche sich die edle aufgabe stellten, der bildenden kunst – vornehmlich der malerei – hier eine heimstätte zu bereiten, in ähnlicher weise, wie es das hiesige mozarteum der musik gegenüber schon seit jahren thut. diese idee fand vom anfange an das wohlwollendste entgegenkommen, und ein comité, mit dem statthalter exzellenz grafen thun an der spitze, nahm die angelegenheit in die hand. nachdem die hohe protektion seiner kaiserlichen hoheit des durchlauchtigsten herrn erzherzogs ludwig viktor hiefür gewonnen war, schritt man an die zu lösende aufgabe. sie zerfiel in zwei theile: erstens beschaffung der geldmittel, zweitens ausführung des neubaues.

zunächst wurde der salzburger kunstverein mitinteressirt, indem selber nicht nur seinen sitz im neuen hause aufschlagen, sondern geradezu eigenthümer desselben werden sollte. dagegen hatte er die verpflichtung zu übernehmen für die erhaltung in zukunft zu sorgen und einen kleinen vorhandenen fond von einigen tausend gulden für den bau zu widmen. eine sammlung freiwilliger beiträge wurde eingeleitet, welche durch die munifizenz des allerhöchsten kaiserhauses und vieler anderer hochherziger gönner ein glänzendes resultat ergab. ausserdem war das ergebniss einer lotterie in aussicht, zu welcher als treffer kunstwerke von bedeutendem werthe in grosser zahl zur verfügung gestellt wurden. ein ärarisches grundstück an der salzach frei gelegen, zu dem zwecke wie geschaffen, wurde zu den denkbar günstigsten bedingungen erworben und als bauplatz bestimmt. man konnte somit zur ausführung des gebäudes schreiten. das programm verlangte folgendes: eine anzahl maler-ateliers und damit in verbindung einige ausstellungsraume. nach bedarf soll man auch die ateliers zu ausstellungszwecken heranziehen können diese letztgenannten sollten verschieden gross, möglichst mit nordlicht versehen sein. alles dies wurde in einem hochparterre untergebracht, welches man durch eine freitreppe 2.5 meter über dem terrain erreicht; diese führt in ein vestibule mit portier- und garderoberaum; ein 2.7 meter weiter gewölbter korridor stellt die verbindung mit jedem einzelnen raume her. in der mittelaxe liegt der grosse ausstellungssaal mit zirka 200 quadr.-m. und 9 meter höhe und wird durch oberlicht erleuchtet. gegen nord, ost und west sind die ateliers gelegen, die ersteren blos mit seitenlicht, jene aber, wo das letztere zu gewissen stunden durch die sonne unbrauchbar wird, auch mit oberlicht versehen. alle bekamen die ansehnliche lichte höhe von 6.5 meter, um sehr hoch einfallende beleuchtung zu erreichen.

durchgehends sind dunkelgebeizte holzplafonds ausgeführt. die zwei grössten ateliers haben eine bilderversenkung für die ausführung von grossen gemälden. im tiefparterre sind alle räume gewölbt, für magazine etc. bestimmt. zum auspacken und transportiren der gemälde ist ein eigener raum mit aufzug vorhanden. auch ein kleiner stall zur aufnahme von modellen für thiermaler ist daselbst untergebracht. die anlage der sonstigen nöthigen nebenräume ergibt sich aus den planskizzen.

die mauern im fundamente und tiefparterre sind aus beton; soweit sie ausserhalb des terrains sichtbar sind, wurden sie mit untersberger marmor-quadern verkleidet. das weitere ist aus ziegeln und bruchsteinen und verputzt. die eindeckung ist von eisenblech. die gesammtkosten, einschliesslich der inneren einrichtung, gas- und wasserleitung, planirung etc., betragen zirka 85.000 fl.

quelle: anno, allgemeine bauzeitung, 1887.

1897


1910


1937

vereinsnachrichten des salzburger kunstvereins, 15.12.1937:
der bauliche zustand des künstlerhauses.

in einer zuschrift an das „salzburger volksblatt“ (abgedruckt in der folge vom 27. november) wird die aufmerksamkeit auf das nicht gerade vorteilhafte aussehen des künstlerhauses gelenkt. „da nun die kärntner bundesstraße“, so heißt es, „just beim künstlerhaus beginnt, wird man wohl darangehen müssen, es in einen würdigeren zustand zu versetzen. es wäre ja auch eine schande, wenn sich das künstlerhaus der festspielstadt salzburg den vielen fremden, die vom nächsten jahr an hier vorüberkommen werden, nicht schöner zeigen könnte. das künstlerhaus ist vor etwa fünfzig jahren erbaut worden (in den jahren 1883 und 1884; die eröffnung erfolgte am 1. august 1885), und seit dieser zeit hat es mit ausnahme der umbauten im jahre 1929/30 keine bauliche veränderung mehr erfahren. es fällt unangenehm auf, daß das künstlerhaus an der straßenseite rötlich, an den beiden schmalseiten gelblich und gegen die wasserseite zu grauschwarz gefärbelt ist. hoffentlich gelingt es, die maßgebenden stellen (der kunstverein, der sich durch neuerungen im hause selbst im interesse der künstler ohnedies schon wieder in schulden gestürzt hat, käme allein wohl nie in frage) für die wirklich dringende erneuerung der fassaden zu interessieren, damit sie bei der eröffnung der neuen kärntner bundesstraße, die doch gewiß beim künstlerhaus vorgenommen werden wird, nicht abschreckend wirken. rechtzeitig müßte auch auf die ausgestaltung des platzes vor dem künstlerhaus, auf entsprechende beleuchtung und auf sichtbare hinweise auf das künstlerhaus bedacht genommen werden. e. s.“


konzept 070518

geschichte
typologisch gesehen stellt das salzburger künstlerhaus in dieser verbindung von ausstellungssaal und den umgebenden ateliers eine einzelleistung dar. das spannungsreiche gegenüber zweier funktionen, nämlich der privaten produktion und der öffentlichen präsentation von kunst, muss als eigentliche leistung von hyazinth michel gewertet und als sein individueller beitrag zur bauaufgabe „künstlerhaus“ gesehen werden.
unser konzept will an diese tradition anknüpfen und diese zeitgemäß vertiefen.

was ist künstlerhaus neu?
kompetenzzentrum für zeitgenössische kunst in salzburg
spannender ort zur auseinandersetzung mit kunst und theorie
vielfältige freizeitangebote für salzburgerinnen und touristinnen

der salzburger kunstverein hat im zusammenhang mit der renovierung des künstlerhauses ein neues nutzungskonzept entwickelt, das das künstlerhaus zum wichtigsten ort für die produktion, vermittlung und präsentation aktueller internationaler wie regionaler kunst und aller verwandten felder in salzburg machen wird. der lebendige diskurs zwischen den produzierenden aller sparten und dem publikum ist ein wichtiger schwerpunkt dieses programms. die über 600 mitglieder des salzburger kunstvereins bilden eine maßgebliche lobby für einen offenen, sich zeitgemäß erneuernden und gesellschaftsrelevanten kunstbegriff. als netzwerk von künstlerinnen, kunstpublikum und förderern, wissenschaft und politik bilden sie eine ideale plattform für die kommunikation aller beteiligten.
dieses konzept orientiert sich einerseits am allgemeinen trend einer konzentration und vernetzung im kulturbereich (vgl. kulturleitbild und kulturentwicklungsplan der stadt salzburg, 2001) und andererseits am bedürfnis der konsumentinnen nach einem breiten, vielfältigen und konzentrierten angebot. das ausstellungsgeschoss, in dem sich zur zeit außer dem großen ausstellungssaal und dem neu dazugekommenen ausstellungskabinett auch die büros des kunstvereins befinden, soll zunehmend ein öffentlicher bereich werden. durch den einzug verschiedener salzburger kulturinstitutionen entsteht eine geballte synergie, die allen zu gute kommt.

ziel
strategiesches ziel ist es die verbesserung und sichtbarmachung der position des künstlerhauses einerseits im lokalen salzburger kunstumfeld zu erreichen, und andererseits die bestehende position im europäischen vergleich der kunstvereine zu stärken.

erdgeschoss
das ausstellungsgeschoss soll weiter schrittweise als öffentlicher bereich gestärkt werden. die zentrale halle, ringgalerie und die anliegenden einrichtungen verschmelzen zu einem breiten kulturangebotsorganismus. mittelfristig sollen die ateliers durch kulturelle, kommunikative einrichtungen ersetzt werden. ersatzraum für ateliers soll in den obergeschossen geschaffen werden.
das frei werdende atelier neben dem café cult bringt als grosszügige vertikalverbindung (sicht, weg) die 3 hauptebenen aneinander näher, kann aber auch als erweiterung des cafécult, raum für kleine ausstellungen, vorträge, videovorführungen genutzt werden.

obergeschoss
ausstellung mit produktionsaspekten – produktion mit ausstellungsaspekten
im obergeschoss ist baustrukturell erstrangiges ziel den ringgang zu öffnen. die gemeinsame zugänglichkeit aller ateliers dieses geschosses wird wieder erreicht.
auf dieser ebene zwischen ausstellungssaal (unten) und atelierhaus (oben) ermöglicht ein neu eingerichteter produktionssaal wahlweise „ausstellungen mit produktionsaspekten“ oder „produktionen mit ausstellungsaspekten“.
neben dem „konventionellen“ ausstellungsbetrieb (auch verkaufsausstellungen?) für die gastateliers und die kulturinstitutionen im haus ist hier eine nutzung beispielsweise durch die sommerakademie oder die verknüpfung mit anderen disziplinen/institutionen (workshopwochen) denkbar.

dach: atelierhaus
die ohnehin mit hohem sanierungsaufwand zu erneuernden ateliers (gesamte verglasung, oberlichte, dämmung) im bestehenden dachaufbau werden zu einem mehrgeschossigen atelierhaus umgebaut und erweitert.
erschlossen werden die neuen ateliers (8 einheiten je ebene) über einen außen liegenden und umlaufenden spiralgang. dieser von der produktionshalle aus begehbare raum verknüpft das atelierhaus mit der stadt (aussicht, einsicht). die distanz der ateliers zueinander achtet die intimität der künstler.
im sinne des programms des kunstvereines soll dieses atelierhaus dem austausch und der injektion von externen künstlerischen positionen (gastateliers) dienen.

untergeschoss
wieder ist es baustrukturelles ziel den ringgang zu öffnen.
die eingangssituation von der salzachseite soll unter miteinbeziehung der möglichkeiten des frei werdenden ateliers im erdgeschoss und der ehemaligen druckwerkstatt attraktiviert werden.

wegringe
durch die wiederherstellung der 3 wegringe über alle geschosse, ihrer verknüpfung über die bestehenden (2) und neu zu schaffenden vertikalräume (1) wird der öffentliche raum an die private produktion, ohne sie zu stören, herangeführt. die ringe sind bespielbarer raum (u.a. videoinstallation zu den einzelnen ateliers).

möglichkeiten im bauprozess
z.b. fassadengerüst, gerüstschutz („pariser pracht: wahre kunst am bau“)


kommunikation

primäres ziel der planung war es, die räumlichen kommunikations- und aktionsmöglichkeiten des künstlerhauses und in weiterer folge der kunst sowohl im inneren, als auch nach aussen, in den öffentlichen raum hinein, zu erweitern.

das ebenerdige sockelgeschoss (=tiefparterre) wurde verstärkt einer öffentlichen nutzung im kontext zeitgenössischer kunst zugeführt. im zuge der fassadensanierung konnten die vier eingangstüren an den beiden gebäudeseiten erneuert und zu durchgängen ins gebäudeinnere erweitert werden. ihr vorfeld wurde im sinne einer attraktivierung des standortes künstlerhaus durch nutzbarmachung und charakterliche intensivierung des das haus dreiseitig umschliessenden parkes neu gestaltet.

im haus-inneren konnte die erhöhung der kommunikationsfähigkeit vor allem durch wiederherstellung der inneren durchlässigkeit, durch entfernung der einbauten in den ehemaligen ringgängen im tiefparterre und 1. obergeschoss, erreicht werden.


© andrew phelps, salzburg

team

maria flöckner und hermann schnöll / planung
gunther fally, salzburg / bauaufnahme
mag. christoph tinzl, salzburg / restauratorische befundung
pürcher engineering / elektro-planung
bmstr. bernhard schnöll, salzburg / ausschreibung
harlander baumanagement, st. johann / bauleitung (öba)

doll, seekirchen / baumeisterarbeiten
manfred brugger, st. veit/pg. / metallbauarbeiten
otto seeleitner, anthering / spenglerarbeiten
brettfeld-stöckl, maria alm / tischlerarbeiten
hugo heuberger, salzburg / malerarbeiten
etk elektrotechnik kappacher, st. johann / elektroinstallationen
hsg schattauer, golling / heizungs- und sanitärinstallationen