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haus 47°40’48”n/13°8’12”e

haus 47°40’48”n/13°8’12”e // nutzfläche (gesamt): 558 m2 / baukosten: netto euro 1.720,-/m2) / bauzeit: ix/2005-iv/2007 / bauherr: friedrich ebner stiftung / adresse: riedl 79, a-5421 adnet.



ort

47°40’48”n/13°8’12”e bezeichnet einen bestimmten1, aber auch beliebigen bauplatz am land. das umgebende landschaftsbild ist einmalig, jedoch austauschbar durch andere landschafts-, stadt- oder ortsbilder.

das haus, es könnte genau so gut an anderer stelle stehen.
haus 47°40’48”n/13°8’12”e ist weniger für einen bestimmten ort gemacht, es ist eher ein haus an einem ort, am ORT2 an sich.

LANDSCHAFT / LANDSCAPE im sinn von „INSCAPE“ (gerard manley hopkins):
meint EIGENSINN oder WESEN DES DINGES
bild von…
dünne haut, oberfläche
labiles gleichgewicht, welches in ein
labiles gleichgewicht, welches in ein labiles…
fällt –
immer in bewegung, nur scheinbar bewegungslos

STRUKTUR UND VISUELLER VERLUST VON STRUKTUR
dichte, grafisch
bäume – wald
licht, nehmen/zulassen

NÄHE, MITGEFÜHL
zur mikroschicht, zur wiesenlandschaft, zur grasnarbe
antwort auf nähe, abstand zu

BLICKFELD, HORIZONT, KANTE
bedeutung für die wahr-nehmung
bedeutung für die wahrnehmung bei …

VERÄNDERUNGEN wie
jahreszeiten
lichtverhältnisse
witterung

(1) der landschaftsrücken des adneter riedl (ca. 530m n.n.) ist ein abschnitt der rechten seitenmoräne des eiszeitlichen salzachgletschers. an seinen abhängen und rändern bewaldet stellt er im wesentlichen eine durch kuppen und senken leicht bewegte, fliessende wiesenlandschaft dar.
(2) ORT, m. und n. ein germanisches, doch im goth. nicht nachweisbares wort: ahd. mhd. ort m. n., plur. die orte m., diu ort, orter oder örter n., nhd. die orte (im 15. und 16. jahrh. auch örte, ört) und örter mit dem unterschiede, dasz jene form mehr einen collectiven, diese mehr einen individuellen begriff bezeichnet; alts. ort m., mnd. ort n. und m., nl. oort; ags. und mittelengl. altfries. ord m.; altn. oddr m., dessen dd auf ein goth. sd (zd) weist, so dasz die goth. form uzds, stamm usda, lauten müszte, dessen wurzel us identisch zu sein scheint mit sanskrit. vas, schneiden, das auch zur grundbedeutung des wortes stimmt. aus der grundbedeutung ’schneide, spitze‘ haben sich die übrigen bedeutungen in ähnlicher weise wie bei den sinnverwandten ecke und ende entwickelt. (quelle: deutsches wörterbuch von jacob grimm und wilhelm grimm, leipzig: s. hirzel 1854-1960)


leben

das haus an beliebiger stelle ist nur ein knoten im persönlichen netz. die bindung an das infrastrukturelle netz befreit längst vom gesellschaftlichen bindungszwang an einen ort. die vernetzung ist ins haus-innere verlegt. auch die straße beginnt im haus. das haus ist einerseits erweiterung des vektoralen strassenraums, genauso wie es auf der anderen seite erweiterung des visuellen landschaftsraumes (umgebung) ist.

PROJEKTKONZEPTE – PROJEKTTHESEN

lebenszentrum als netz
konkretisierungsversuche
zerfällt in verschiedene konstellationen
(kaleidoskop)
welt erkunden, indem sie aufgespalten wird
(entsteht sie)

welt erkunden indem man ihr namen gibt
vertraut sein erreichen, sich eigen machen
bilder entstehen, schleichen sich ein
unterschiedliche geschwindigkeiten des raumes entstehen

vergrösserung durch nähe

grenzziehung, grenzüberschreitung


struktur

die horizontal gefügte struktur hat unmittelbaren kontakt zur leicht abfallenden wiese. die gehöfte1, waldkanten und gebirge2 treten weiter markant im landschaftsraum hervor. Der niedrige, flächig sich ausdehnende, bewohnte raum wird durch die beiden formgleich übereinander liegenden stahlbetonplatten angezeigt. die ansichten von aussen lassen ihn zum umland gehören. die ansicht von innen lässt das umland zum wohn-raum gehören.

UNTERSTAND MIT
GLASVORHANG
aussenwand light
führung (bewegungsführung)
klimahülle
bildwandler

AUFGESPANNTER RAUM
auseinandergehaltene gewichte

BODENSPIEGEL-DECKENSPIEGEL ZUR GLEICHGEWICHTSFINDUNG
aufhebung der raumgrenze
(geschliffener gussasphalt)
oben-unten, hell-dunkel

(1) grubgut und kohlgrubgut
(2) osterhorngruppe, tennengebirge, hagengebirge, göllmassiv, zinkenkogel, untersberg


wohnen

neun geometrisch idente holzmodule produzieren präsenz. ihr räumliches dazwischen ist übergang. die flächen sind glatt. der druck verkehrt.


der raum folgt als lebensbereich keiner endgültigen abgrenzung und homogenen form. raumbereiche sind verschieden zusammenfügbar und erweiterbar. beziehungen überlagern ein system von gleichzeitigkeiten. freiheiten im gebrauch und die bindung an den ort wachsen gleichermaßen.

SYSTEM VON GLÜHFÄDEN MIT VERSENKTER FASSUNG

HOLZHOHLKÖRPER
DIFFUS KANTIGE „STÄMME“
MÖBEL, MODULE
9 gleiche raummodule, dienende räume
auflösung durch siebdruck:
angleichung der trennenden flächen (hell-dunkel)
wald grafik, dickicht
biologie auf dem kopf stehend

bild der opt. linse durch „kopfarbeit“ gedreht,
unterschied bilderfahrung – alltagsbilder

ÜBRGANG, KALEIDOSKOPISCHER WANDEL
landschaftsausschnitt – witterungswandel
spiegelungen – unterschiedliche lichtverhältnisse
thermische verhältnisse – ofenrille

ÜBERGANG, jenseits der dichte
modulelemente lösen sich als einzelobjekt auf
… verbindungen
… unterbrechungen (kochinsel)
… mobiles (stahlschiebetafeln, sitzgelegenheiten, usw.)
… sicht- und lichtfilter

BEZIEHUNGEN ÜBERLAGERN EIN SYSTEM VON GLEICHZEITIGKEITEN
kochtopf
auto
tisch
gleichermassen freiheiten im gebrauchund bindung an den ort

TRENNUNGSLINIE ALS RÄUMLICHES FELD – ZEITVERZÖGERUNG
optisch präsent bei räumlichen abstand

NEUTRALISIERUNG DER INNEREN ZONE DURCH MODULELEMENTE

ÜBERGANG, diesseits der dichte
modulelemente lösen sich als einzelobjekt auf
… und versatz

RAUMFLUSS FOLGT KEINER ENTGÜLTIGEN ABGRENZUNG
UND HOMOGENEN FORM
raumbereiche sind…
verschieden zusammenfügbar und erweiterbar
glasschirm als transformator
(überlagerung von paralellen bildwelten)

NEUTRALISIERUNG DER MODULRÄUME DURCH DIE AUSSTATTUNG
überlagert durch durchbrüche vertikal (licht),
horizontal (wege), illusion (spiegelungen)
raumbewegungen oder raumkapseln (2,1m x 2,1m)

RÄUMLICHE UNSCHÄRFE
raum habhaft werden

SPIEGELUNGEN
GEFASST (in der dunkelheit), zurückgeworfen, begrenzt

SPIEGELUNGEN
FREMD-WAHR-NEHMUNG, SELBST-WAHR-NEHMUNG, überlagerung von…
bildern
räumlichen zonen (vor-hinter der bildebene)
bedeutungen, änderung von bedeutungen

LANDSCHAFTSWAHRNEHMUNG
(bild)ausschnitt
relationen, bezüge, betonung (fernsicht)
bewertungen

INSTRUMENT
ABWESENHEIT DES PRIVATEN
SOZIALE ABSTUFUNG DES SICH AUSSETZENS

AUSSETZEN ZUR LANDSCHAFT
vom räumlichem aussetzen bis zur filtereinstellung

INSTRUMENT LINSE
über grasnarbe (unabhängig der topographie)
form ergibt sich zwangsläufig

VISUELLE VERKNÜPFUNG ZUR RAUMBESTIMMUNG
gleicher raumtyp, unterschiedliche raumerscheinung

BILDSEQUENZEN, BILDTEILUNGEN

„DIE PRODUKTION VON RAUM ALS ZENTRALE INSTANZ FÜR MENSCHLICHE SOZIALISIERUNGSPROZESSE“ (h. lefebvre)

soziale gleichzeitigkeit

es ist kaum etwas unvereinbar,
kaum dass es nebeneinander steht.


tragwerk

text: eugen schuler, gbd dornbirn

aus tragwerksplanerischer sicht wird das haus dominiert von den großen auskragungen, insbesondere der decke über der wohnebene, die an der nordwestecke 8 m erreicht. doch auch die bodenplatte löst sich bedingt durch die hanglage allmählich vom grund und schwebt ebenfalls auf der nordwestseite auf einer länge von 8 m über dem grund.

ein tragwerkskonzept für die dachkonstruktion musste daher diese auskragungen sicher bewältigen können. angesichts der materialisierung in sichtbeton auf der unterseite war dies ein ringen mit der gebrauchstauglichkeit, sprich, den durchbiegungen und kriechverformungen des tragwerks.

es kam die eher ungewöhnliche lösung in form einer auf den kopf gedrehten verbunddecke zum zug. ein stahlträgerrost mit trägerhöhen von 500 mm liegt dabei über einer druckplatte aus stahlbeton mit 16 cm stärke, die verbindung bewerkstelligen kopfbolzendübel. der trägerrost als solcher ruht dabei auf einigen wenigen stahlstützen in den ecken der vier „kerne“ der wohnebene bzw. entlang der fassade. diese „kerne“ sind als gevierte mit auskreuzungen zwischen den eckstützen ausgebildet und übernehmen somit die horizontale stabilisierung des gebäudes.

die fundierung ist im wesentlichen eine stahlbetonplatte von 25 cm stärke, gelagert auf vouten bzw. in frosttiefe reichenden streifenfundamenten.

der schwimmkanal (16 x 2,3 m) wurde durch zugabe eines kristallbildenden betonzusatzmittels aus wasserdichtem sichtbeton realisiert. durch osmose dringt diese kristallformation in die kapillaren und ist hochresistent gegen extremen wasserdruck und aggressive chemikalien. dieser prozess ist katalytisch, die kristallbildung kann viele jahre nach der herstellung reaktiviert werden, um kleine risse, die später im beton entstehen können, wieder abzudichten. (fs)


haustechnik

text: kuster&kuster, salzburg; fs

zur beheizung des hauses wurde eine sole-wasser-wärmepumpen-anlage ausgeführt. die nötige energie wird über drei zweikreis-tiefensonden à 100 m teufenlänge entzogen. die entzugsleistung der tiefensonden beträgt ca. 16 kwh.
die regelung der heizungsanlage erfolgt witterungs- bzw. außen-temperaturgesteuert. es sind gemischte regelkreise für fußbodenheizung, zuluft-vorwärmung und schwimmbadheizung ausgeführt. solare einträge, energie aus dem bauseits vorhandenen öfen sowie energiegewinne aus abwärme (z.b. von kühl- und gefriergeräten, e-herd, beleuchtung etc.) werden mittels einzelraumregelungen berücksichtigt und genutzt.
die wärmeübertragung in sämtlichen wohnräumen sowie in der garage (abgesenkte raumtemperatur) erfolgt überwiegend durch eine tieftemperatur-fußbodenheizung. in den bädern wurden zusätzlich wandheizungsflächen ausgeführt.

die warmwasserbereitung erfolgt über eine eigene brauchwasserwärmepumpe über einen direktverdampfer-erdkollektorkreis und speist einen warmwasserspeicher mit einem gesamtvolumen von 500 ltr.

die anlage zur kontrollierten wohnraumbe- und –entlüftung für den gesamten wohnbereich erhöht den wohnkomfort, verbessert das raumluftklima und minimiert den energieverbrauch um bis zu 40%.
für die belüftung der einzelnen räume wurde ein flachkanalsystem mit zu- und abluftdüsen mit mengenregulierung ausgeführt, welches über der stb-decke verlegt ist.
zur wirkungsgradverbesserung und verhinderung von vereisung am lüftungswärmetauscher ist ein luft-erdkollektor mit einer gesamtlänge von 25 m in einer tiefe von 2 m verlegt. die zuluft wird über ein luftheizregister auf raumlufttemperatur vorgewärmt.

flächenbezogener heizwärmebedarf:
25 kWh/(m2a); wärmeschutzklasse a, niedrigenergiehaus-standard („3-liter-haus“)



team

maria flöckner, hermann schnöll / planung
gbd dornbirn – di eugen schuler / statik
kuster&kuster, salzburg / energie- und haustechnik
hans rainer, eberschwang bei ried / horizontaler kaminofen
bmstr. bernhard schnöll, salzburg / bauleitung (öba)

scharler, bischofshofen / baumeisterarbeiten
oberhofer, saalfelden / stahlbau
aquarex, salzburg / dachabdichtung und extensive begrünung
peintner, farchant, de / glaswände, polycarbonatverglasungen
swietelsky, hörsching bei linz / bitu-terrazzo
tischlerei joham, steindorf bei strasswalchen / tischlerarbeiten
stainer, st. martin bei lofer / siebdruckarbeiten
gschaider, obertrum am see / metallarbeiten, aussenvorhänge
elektro wenger, adnet / elektrotechnik
kuster&kuster, salzburg / heizungs-, lüftungs- und sanitärtechnik
hans rainer, eberschwang bei ried / ofenbau
josef wallinger, st. koloman / einzelmöbel tischler
einrichtungshaus scheicher, salzburg / möblierung
pool & water technic, salzburg / schwimmbadtechnik


rezeption

2016 / werner sewing – no more learning from las vegas (florian dreher und christine hannemann (hrsg.), analysis & excess – spector books) / spector books
2016 / architektur in österreich im 20. und 21. jahrhundert (architekturzentrum wien (hrsg.), park books)
2013 / a_schau. österreichische architektur im 20. und 21. jahrhundert (dauerausstellung / azw architekturzentrum wien)
2013 / textile architektur (ausstellung / TIM – staatliches textil- und industriemuseum augsburg)
2011 / haus & architektur (andreas k. vetter, callwey verlag)
2011 / masterpieces: country house (michelle galindo, braun publishing)
2011 / workshop textile architektur (haus der gegenwart, münchen)
2010 / baukunst in salzburg seit 1980 (mury salzmann verlag)
2010 / best of austria. architektur architecture 2008_09 (azw / residenz verlag)
2010 / europas beste bauten. mies van der rohe award 2009 (ausstellung / azw architekturzentrum wien)
2010 / move. architecture in motion – dynamic components and elements (birkhäuser verlag)
2009 / od 06 (contemporary architecture interiors design)
2009 / rzeczpospolita (styl zycia – szklane domy za firana / 27.10.2009)
2009 / grands rideaux (le moniteur architecture – amc nº 191 octobre 2009)
2009 / textile architecture (sylvie krüger / jovis verlag)
2009 / architekturpreis 2009 – das beste haus
2009 / nominierung zum mies-van-der-rohe-award der europäischen union
2009 / arcadia – cross-country style (gestalten verlag)
2009 / 47°40’48”n/13°8’12”e house (rowena liu / iw magazine no. 68)
2009 / einfamilienhäuser aus beton (friedrich grimm / callwey verlag)
2009 / la vie moderne (ad france no.81 2/3 2009)
2009 / wohnhaus bei adnet (dächer – flach und geneigt / detail 2009-1/2)
2009 / auf der wiese (die natur im blickfeld / roland merz / atrium 1/2 2009)
2008 / architekturpreis land salzburg / mehr
2008 / before architecture. vor der architektur (bettina götz (hrsg.) / springer verlag)
2008 / int. sichtbeton-forum (fachtagung, berlin)
2008 / häuser ohne limit (ansgar steinhausen (hrsg.) / callwey verlag)
2008 / 47°40’48”n/13°8’12”e house (anne isopp / a10 #22 jul/aug 2008)
2008 / 100 österreichische häuser (ofroom sonderedition / mai 2008)
2008 / trend (heft 05/08)
2008 / turn on 08 (architekturfestival im orf radiokulturhaus wien)
2008 / sicher kein gewöhnliches haus (david strohm / nzz am sonntag / 3.2.2008) / text
2008 / wahrnehmungsmaschine (schattierungen / daylight & architecture / heft winter 2008)
2008 / sichtbeton atlas (sichtbetonforum / joachim schulz / vieweg+teubner verlag)
2007 / über die grenze… – junge österreichische architekten (herbstvorträge architektur / hochschule konstanz)
2007 / das kleine schwarze für zu hause (wojciech czaja / der standard / 18./19.8.2007)
2007 / andersartig (wohnen|living / rainer häupl / ait 7/8-2007) / text
2007 / zement + beton (architekturpreis 2007 / heft 3/2007)
2007 / yova & salzarch (kammer der architekten und ingenieurkonsulenten, salzburg)
2007 / der mensch als gast – man as a guest (norbert mayr / architektur aktuell 5.2007) / de / en
2007 / vorhang auf! (wojciech czaja / h.o.m.e. 05/2007) / text
2007 / natur im haus (sn / top of salzburg 1/2007) / text
2007 / architektur bauen + schauen (baubesichtigung der initiative architektur)
2007 / profil (heft 10/07)
2006 / gute nachbarn – salzburg (vortragsreihe zur österreichischen architektur / v-a-i vorarlberger architekturinstitut)