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mönchsbergpanoramalift

mönchsbergpanoramalift // 03 / gutachterverfahren / 3. rang / bauherr: salzburg ag – salzburger lokalbahn / a-5020 salzburg.


stadt/land
schnittstelle: der ort, wo die verknüpfung von stadt (unten) und land (oben), betrieb (aussen) und verwahrung (innen) stattfindet, wird vom altbestand geklärt. hier (stadtebene mönchsberglift) verschränken sich der horizontale verlauf der fassadenflächen (oberfläche) der häuserzeile mit der fallenden und in den berg hineingreifenden fläche der felswand.
der freie zugang zum berg, die freitreppe zurück zur liftplattform unter der überhängenden felswand, der „lift“ / das gefährt selbst und der landungssteg über der stadt führen zu einem masstabswechsel, der eine distanz zur stadt und gleichermassen zur landschaft erzeugt.

museum der moderne
der luftkamin (gstättengasse 13) fungiert als bodenstation des museums, die stadtkanzel wiederum als aussenposten der stadt. der weg der neuen erschliessung führt aus der stadt auf das mönchsbergplateau. von hier (aus der parklandschaft heraus) wird das museum der moderne erschlossen. das museumsfoyer öffnet sich zum park (süden) und zur stadt (stadtkanzel).

umzug ins offene
abriss des hauses gstättengasse 13, die felswand wird teil des öffentlichen raumes, das stollensystem wird freigelegt, das gefährt zwischen berg und stadt legt im hochparterre über der stadtebene (vor der stadt) an, der weg führt aus der gasse in den berg…
…der erhöhte platz von 5,4 mal 7,0m wird selbst langsam die felswand entlang gehoben, der involvierte bewegt sich auf der bewegten fläche – den vertikalen und klimatischen bedingungen ausgesetzt – zum nächsten horizont, das glasgebettete konstrukt landet über der bergkante, der berg wird von oben her betreten.


technischer bericht
text: eugen schuler, gbd dornbirn

die liftanlage besteht aus einer vertikal fahrbaren plattform, dem sog. „luftboot“, das in führungsschienen per seilzug bewegt wird. diese führungsschienen sind im mittelbereich des lifts in den fels eingelassen, im oberen und unteren bereich hingegen in stahlrohren gehalten, die ihrerseits gegen den felsen abgestützt werden.

die tragenden rohre der führungskonstruktion weisen einen durchmesser von 508.0 mm bei einer wandstärke von 16.0 mm auf. materialgüte s235. sie sind in maximalabständen von ca. 10 m gegen die felswand mittels je zwei v-förmig angeordneten rohrprofilen ø63.5×10.0 abgestützt und dort mit felsankern verankert. an die führungsrohr sind bleche angeschweißt, die die bremsen für die sicherheits-fangkonstruktion bilden. der horizontalabstand der rohre voneinander beträgt 6.0 m.
die eigentlichen führungsschienen in form von rechtecksrohren aus edelstahl sind in die tragrohre eingeschlossen und dicht verschweißt. die wahl des edelstahls für die führungsschienen und – rollen ist notwendig, da die konstruktion der witterung ausgesetzt ist. die innenrohre aus edelstahl sind in zwei kammern unterteilt, von denen die erste die rollen ø160 beherbert, die zweite das rücklaufende zugseil des lifts. je vier rollen sind für die obere und die untere führung vorgesehen, hinzu kommen je zwei seitenführungsrollen.
bild: spannungen lastfall vollast
die bewegliche liftplattform, das „luftboot“, weist grundrißbmessungen von 5.4×7.0 m auf, wobei die eigentliche begehbare fläche ca. 4.75×5.35m beträgt. die höhe der tragkonstruktion beträgt 0.7 – 1.0 m unterhalb der gehfläche, in den randbereichen kommen 1.10 m geländerhöhe hinzu. die maximale statische höhe beträgt zu den führungsrohren hin 1.80 m. das luftboot ist als glaskörper konzipiert, der von einem raumfachwerk als unregelmäßigen vierseitigen pyramiden getragen bzw. ausgesteift wird. die querschnitte des raumfachwerks sind durchwegs ø40 mm in der stahlgüte s355. die berechnung erfolgte im rahmen eines 3d- stabwerksmodells, die resultierenden spannungen für den lastfall vollast sind im bild dargestellt.

neben dem eigengewicht des systems und der raumabschließenden gläser ist dabei eine nutzlast von 5.0 kn/m2 berücksichtigt. dies entspricht auch der last aus en 81. die sicherheitsfangvorrichtung ist in die seitenflächen integriert.

die aussichtsplattform besteht aus einer begehbaren glasfläche, die sich von glasrippe zu glasrippe spannt. rippenabstand 1.20 m. die glasrippen sind ihrerseits wieder auf den parallellaufenden stahlrohren ø508×16 mm gelagert.


juryprotokoll (auszug)
projekt 3 mag auf den ersten und flüchtigen blick als das unauffälligste der eingereichten projekte erscheinen. mit dünnen, fast unsichtbaren strichen kartographiert, ist es jedoch das unnachgiebigste, klarste, aber auch sprödeste und unversöhnlichste aller projekte. entschieden wird das für die talstation vorgesehene und bestehende haus aus der fassadenflucht der gstättengasse gelöscht. das gelöschte haus wird nicht ersetzt, es bleibt eine lücke oder mit der löschung wird diese lücke konstruiert – und zwar als ausgesprochene absenz des historischen oder vergangenen. in diese lücke (in diese abwesenheit) wird kein verkehrsbauwerk eingefügt, es wird auch kein lift oder aufzug eingefügt. was vorgeschlagen wird, ist eine art plattform, ein platz (also eine fläche von kollektiven erfahrungen) der nach oben offen und dem wetter ausgesetzt ist. dieser platz ist nicht statisch, sondern beweglich. er löst sich aus der lücke, um eine zweite, überlagerte abwesenheit zu erzeugen und transportiert den besucher nach oben zum berg, zum museum oder führt den besucher wieder in die fläche der stadt zurück. weitere maßnahmen: ein massiver angriff oder eingriff in das im bau befindliche museum. der gegen den felsabbruch der stadt gelagerte zugang zum museum wird an der südseite parallel zur felskante gelegt. eine maßnahme, die vorgebene bedeutungen verschiebt und das im bau befindliche museum und den besucher rekonfigurieren könnte. der besucher ist immer – vor dem betreten des museums – im aussenraum, entweder im aussen der stadt, im aussen des berges oder auf der fläche des fahrbaren platzes. das museum wird von aussen betreten und erfährt somit als gebäude eine klar definierte grenze. der punkt des eintretens wird klar definiert, eine lesart die den beginn des museums bereits am anton neumayer platz sieht, ist nicht möglich. so sehr das im bau befindliche museum durch projekt 3 rekonfiguriert werden mag, so sehr wird es gleichzeitig als autonome einheit gestärkt und bestätigt.

parallel dazu findet jedoch noch etwas statt. es ist die konfiguration des besuchers. der besucher, der aus diesem projekt abgeleitet werden kann, wird nicht sosehr aus dem inneren eines zuges, eines flugzeuges oder aus dem inneren eines autobusses vor der talstation abgesetzt werden. er wird nicht vom inneren des autobusses in das innere der talstation, in das innere des lifts, in das innere des foyers, in das innere des museums huschen. in projekt 3 wird der besucher des mönchsberges als spaziergänger definiert, als einer der sich über weite strecken im aussenraum befindet und der inneres, gebäudeinneres, als besonderheit aufnimmt. bei genauer beobachtung kann man natürlich die präzision und subjektivität der tektonischen reflexe des projektes lesen, aber irgendwie ist diese tatsache im projektzusammenhang wie eine nachricht aus einer anderen welt. die wesentliche qualität des projektes ist die anmaßung (zugleich ein gefühl umfassender verantwortlichkeit und zuständigkeit), an den verschiedensten stellen, in verschiedenste projekthegemonien korrigierend und kritisierend einzugreifen, im diskursiven mitzuplappern sozusagen – nach genauer anhörung des sachverhalts – konstruktive lösungsvorschläge vorzulegen und diese gegen die schwerkraft durchzusetzen.

jury: wolfgang tschapeller (vorsitz), luigi snozzi, stefano de martino, aurelio galfetti, reiner kaschl, klaus friedrich, gunther mackinger, agnes husslein

weitere teilnehmer: udo heinrich, delugan_meissl (sieger), helmut richter, dietmar feichtinger (nachrücker), hans hollein, zaha hadid (2.rang)