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wohnen saalachstrasse

wohnen saalachstrasse // 13 / gutachterverfahren / 140 we / anerkennung / bauherr: heimat österreich / saalachstrasse, a-5020 salzburg.


ein gebiet in sublage zum stadtkern, zwischen einfamilienhaus-flecken und gewerbehallen, acker und pflanzfläche, wiesenweg und querender hochspannungsstromtrasse – kurz, kein wohnen im park, sondern wesenseigenes wohnen genau an dieser stelle.

ORT – IDENTITÄT – SOZIOLOGIE

ein gebiet in sublage zum stadtkern,
zwischen saalachstrasse, autobahn und eisenbahn gelegen – noch existierende felder in leichter muldenlage zwischen einfamilienhaus-flecken und gewerbehallen – acker, pflanzflächen, wiesenweg und die querende hochspannungsstromtrasse.
kurz, kein wohnen im park, sondern wesenseigenes wohnen an dieser stelle.
daher sind die gedachten wohnSCHOLLEN wie die umgebungstypologie weit und niedrig, mit umlaufenden wegen nahe an den baukörpern.
es wohnt immer nur „einer über dem anderen“, sodass es innerhalb der wohnhöfe viele kleine gruppen von 3 bis 4 nachbarn gibt.

beide SCHOLLEN entwickeln sich aus derselben struktur in zwei varianten:

die GRÖSSERE scholle
als wegfluss mit schmalen und tiefen 1- bis 2-raum wohnungen im erdgeschoss – diese können auch als büro genutzt werden oder als arbeitsstätte oder durch ihre tiefe auch zum wohnen und arbeiten.
rampen führen am rande der gemeinschaftshallen, vorbei am „SCHWARZEN BRETT“, ins obere geschoss zu wohnungen mit vorgelagerten gärten – wobei garten und küche unmittelbar verbunden mit den nachbarwohnungen verknüpft werden können, sodass die flexibilität an wohnungsvergrösserungen, wohnbetreuungen und nachbarschaftlichen bezügen immer wieder neu entschieden werden kann.
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mittig gelegen im grossen wohnhof bietet er zwei weiträumige GEMEINSCHAFTshallen an:
einmal eine sport-, spiel-, und festhalle, und
einmal eine radreparatur-, radeinstell-, und heimwerkerhalle,
hauptsächlich stellen sie lowcost raum (polycarbonatwände, ungeheizt) zur verfügung, der von allen ganzjährig genutzt werden kann.
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da der grosse hof 2 meter höher liegt als der kleine, kann der gemeinsame keller mit stauräumen und pkw stellplätzen von beiden höfen barrierefrei erreicht werden.

die KLEINERE scholle
funktioniert wie ein wabensystem ohne „höhere“ erschliessung – als wohnen auf wegniveau mit vorgarten und WILDNIS/dschungel im „hinter“hof oder als wohnen auf oberem niveau mit eigenen stiegenhaus und dachgarten.
mögliche verknüpfungen von küchen-wohnzonen mit den benachbarten wohnungen sind auch hier wieder angedacht.


LANDSCHAFT
text: di carla lo, landschaftsarchitektin, wien

die vorgefundene agrarische acker- und feldflur (pflanzgarten) der umgebenden landschaft durch längliche felder verschiedenster pflanzungen und nutzungen wieder aufzunehmen war strukturgebender ansatz des freiraumkonzeptes.
rund um die gebäude führt ein weg mit einem mittigen grünstreifen aus rasen, welcher das thema der traditionellen feldwege aufgreift. dieser ist mit hellen, gegossenen betonplatten (fertigteile mit natursteineinlagen) befestigt und ermöglicht einen barrierefreien zugang zu den wohnungen.
erschlossen werden die wohnungen durch vorgärten die von den mieterinnen selbst bepflanzt und gepflegt werden und mit einer niedrigen mauer zum halböffentlichen weg abgegrenzt sind.

die innenhöfe sind als ruhepole mit einer dichten bepflanzung (WILDNIS – bodendecker, stauden, gräser, gehölze) ausgestaltet.
der geländesprung zwischen beiden gebäuden wird durch drei terrassierte flurstreifen überwunden. auf der untersten terrasse befinden sich gartenbeete, welche von den bewohnerinnen individuell bepflanzt und bewirtschaftet werden können. auf den beiden oberen terrassen befindet sich eine streuobstwiese, die ebenfalls von den anrainerinnen geerntet werden kann. für einen gemütlichen und schattigen aufenthalt sind auf der mittleren ebene hängematten im baumschatten angeordnet.
im zentralen freibereich ist der kinder- und jugendspielfläche mit diversen spiel- und bewegungsobjekten angeordnet, welcher zusätzlich schattige sitzmöglichkeiten im übergangsbereich zum kleinkinderspielfläche (sandplatz) bietet.
entlang der saalachstraße bieten naschhecken (windschutzhecken) und eine streuobstwiese einen schutz vor der stark befahrbaren straße.


AUS DEM JURYPROTOKOLL

nach einer weiteren vertiefung (…) und einer intensiven diskussion, auch zu den städtebaulichen aspekten, kommt die jury zum schluss, dass das projekt nr. 5 zwar den wohl stärksten konzepionellsten und städtebaulichen ansatz aufweist, aber auf grund mehrerer bedenken nicht realisierbar ist.

konzeptioneller, sehr durchdachter und innovativer projektbeitrag mit breit gefächerten wohnlandschaften und mit einem topografisch gleichfalls interessanten ansatz sowie durchwebung und zonierung, der ob seiner intellektuellen stärke leider an der maßstäblichkeit zum umfeld scheitert und wohl für ein offeneres bebauungsfeld besser geeignet wäre. trotzdem würdigt die jury das projekt als bemerkenswert und erteilt ihm einstimmig den anerkennungspreis.

jury: walter angonese (vorsitz), susanne burger, wolfgang novak, karin grabner-trummer, hubertus mayr, franz petz, andreas schmidbauer, stephan gröger