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michaelskapelle kirche mariahilf

michaelskapelle kirche mariahilf // 14 / gutachterverfahren / 2. preis / auslober: pfarrgemeinde mariahilf / a-6900 pressbaum bei bregenz.

ein turm, der nichts enthielte als eine läutestube, ist bei der gegenwärtigen wirtschaftslage eine verschwendung. (clemens holzmeister, 1921)

hans purin zur michaelskapelle

„der raum im turm strahlt sogar im rohbau eine besondere atmosphäre aus“, stand es von hans purin 2007 im jahrbuch der pfarrgemeinde.

RAUMgeschichten

die wucht des raumes, seine rauhigkeit, die in beton gegossenen erzählungen über das ringen um die kirche während des bauens, machen die michaelskapelle zu einem so eigentümlichen ort, dass eine auslöschung seines wesens durch einen ausbau durch die mittel seiner errichtungszeit ein unwiederbringlicher verlust wäre.

um dem raum für die angedachten kulturellen und liturgischen nutzungen eine angemessene atmosphäre geben zu können, soll die innerste wandschicht subtil mit zarten, vertikalen linienzügen aus feinputz nobilitiert werden.

die vertikalität des turmes als raumschaft soll erhalten bleiben. die decke zum depot wird durch brandschutztaugliche massivholzdeckenelemente erneuert, die beiden primärträger bleiben erhalten. der boden führt den im vergleich zur decke festeren oberflächencharakter der alten ziegelwand fort. neue, exakte ziegelsteine verweisen die bodenfläche eindeutig in die gegenwart. eine schmale fuge trennt altes und neues.

decke und boden erhalten an ihren schnittlinien zu den ziegelwänden ein umlaufendes fugenlicht (led), ein strahlen entlang der raumbegrenzenden flächen (grundbeleuchtung).

RAUMreich

öffnungsangebote in den umschliessenden flächen (wände, decken, boden) werden aufgenommen, blickbeziehungen hergestellt.

die verbindung zum raum der kirche mit ihrer grossen kuppel soll auch der intention holzmeisters folgend im oberen bereich wieder geöffnet werden. der vorrangig visuelle austausch zwischen kirche und kapelle stellt einen wahrnehmungsmehrwert für die jeweils anwesenden dar, das wissen, teil eines grösseren ganzen zu sein.

gleiches gilt für die vertikale blickverbindung zum turm und weiter zum glockenstuhl mit seinem geläut. die mittig in den turmböden vorhandenen, übereinander liegenden und mit holzbohlen verschlossenen einbringöffnungen sollen wiedergeöffnet, mit einfachen holzbrüstungen versehen werden. die öffnung über der kapelle wird horizontal brandschutzverglast.

die bereits vorhandenen fenster zum ehrenhof verbinden die kapelle mit dem städtischen raum.

das dachgebälk über den kapellennnebenräumen soll offengehalten werden, dies bietet ebenso einblicke in die baugeschichtliche struktur, und bereichert das räumliche erleben auf dem weg zur kapelle. hier können die flächen beidseits des liftes als garderobe fungieren, an der stiegenwendel kann eine sakristei als dienender raum zur kapelle durch eine vorhanghülle separiert werden (abschliessbarer schrank).

RAUMmitte

die mitte des kapellenraumes – durch öffungen kirchen- und turmachse bereits definiert – erhält eine räumliche materialisierung:

eine schleierartige gewebehülse senkt sich von der verikalen blicköffnung gleich einer weltachse bis zum boden herab. je nach benutzungssituation kann der schleier in verschiedenen raffungen gelüftet werden, was wiederum auch unterschiedliche raumbezüge und –wertigkeiten innerhalb der kapelle erzeugt (raumnutzungsvarianten). der schleier lässt sich von innen beleuchten.

vorhalle/narthex

der zugang zum kapellenraum, wie auch ursprünglich gedacht, erfordert eine im vergleich zum derzeitigen emporenaufstieg deutlich öffentlichere erschliessung. stiege und lift erhalten ihre gegenüberliegende zugänglichkeit direkt von der vorhalle aus, der „kapellengänger“ bleibt immer teil des zentralen bereiches. die türen, welche die vorhalle vom kirchenzugang abtrennen, sollen wieder (holzmeister) entfernt werden, ebenso die türen zu den seitenausgängen. die kirche als sozialer treffpunkt wird durchlässiger.