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wohnen fürstenallee

wohnen am historischen gestüthof // 19 we / gutachterverfahren / 1. preis / bauherr: fürstenallee 21 gmbh (= big + raiffeisen evolution) / freiraumkonzept von carla lo, wien / a-5020 salzburg.


wohnen im raum meint damit sowohl den bezug im freiraum, als auch das wohnen innerhalb des gebauten körpers, beziehungsweise innerhalb der wohnungsstruktur.

wohnen im FREIraum – freiräume in der stadt

das gelände des historischen „gstütthofes“ soll weiterhin ein grosszügiges und lärmgeschütztes „innenleben“ führen. anstelle des strassenbegleitenden werkstättentraktes entlang der fürstenallee begrenzt/formt ein neuer niedriger (zwei geschosse) baukörper den weiten hof nach südwesten – während an der nördlichen grundstücksgrenze mit seinem ebenfalls hohen baumbestand keine weiteren baulichkeiten den raum verengen. hier wird das bestehende kleine polierstöckl zur gemeinschaftlichen nutzung adaptiert, der ebene, leichte holzschuppen zur laube mit garten umfunktioniert und der geschlossene kanal des baches wieder als offenen wassergerinne erschlossen.

auf dem niedrigen körper mit schützenden gartenhöfen zur allee und (wohnungs-)umlaufenden freibereichen in form von terrassen/balkonen und loggien, bietet ein aufgesetzter körper bis zur höhe der baumkronen zweigeschossige loftwohnungen („typus wohnen“) und weite dachwohnungen („typus nutzungsneutrale räume“) mit dachgärten bzw. begleitenden loggien und terrassenzonen an. die aufgelöste baustruktur erhält durch einen durchlässigen fassadenbewuchs einen sicht- und lichtfilter.

auf der historischen gestüthalle soll das derzeitige, aus neuerer zeit rührende dach des historisch wesentlich umfangreicheren (2 geschosse mit dach) baukörpers entfernt werden. die in der wettbewerbsauslobung angebotene dichtespielraum zwischen gfz 0,6 und 0,7 soll dazu verwendet werden, ein räumliches wohnen (gegliederter holzleichtbau) auf dem historischen gebäudesockel zu ermöglichen.


wohnen im FREIraum – situierung der wohnungen im vertikalen, wohntypologien

der erschliessungsbereich an der fürstenallee führt zu den vertkalerschliessungen und gemeinschaftlichen loggienbereichen für gedeckte, halbprivate nutzungen, sowie halböffentliche räume wie den bewegungsraum (yoga) und das pflanzenhaus.

darüber entwickelt sich in vertikaler schichtung, je nach höhenlage eine abfolge unterschiedlicher wohnungstypen:

wohntyp „offene struktur“:
eg bis og1, innere rh: 2,50; lage mit nähe zur ebenen erde.

die zentrale raumzone im inneren, als arbeitsraum der wohnung (werkküchen), verbindet wohnungen einer ebene zu einer grossen wohngruppe, wobei die einzelnen wohnungen durch umwegungen und halböffentliche zonen (umlaufende terrassen) ihre privatheit steuern können.

wohntyp „typus wohnen“:
og2 / og3_zg (ausbaubares zwischengeschoss), innere rh: 5,35; lage im hochparterre mit bezug zum dachgarten und den alleebäumen.

baukosten-umverteilung:
das raummodul ist der räumliche rahmen für alle wohneinheiten dieses typs und kann in abgestuften ausbauvarianten angeboten werden.
durch den unterschiedlichen ausbaugrad bei gleichbleibendem volumen ergeben sich den ansprüchen entsprechend gestufte baukosten je m2 nutzfläche. die grundeinheit eines 2-zimmer-lofts lässt sich unter erhalt der hohen raumqualität bis zu einer 6-zimmer-wohnung realisieren.

wohntyp „nutzungsneutrale räume“:
og4, innere rh: 4,20; lage mit bezug zum schirmbereich des baumbestandes.

gemeinschaft wohnen:
die individualräume sind die wohnräume des einzelnen.
die „funktionsräume“ (bad, gemeinsames essen, …) sind ebenso wohnräume des einzelnen, wo sich wohnen mit der gemeinschaft überlagert.
4+2 raummodule sind in ihren funktionen und damit in ihrer lage austauschbar und anpassbar (installationsstrang in der mittelachse).

struktur der raumbeziehungen:
die individuellen räume (4,0 x 4,0 x 4,2m) sind durch ein netz von bewegungsräumen (stau, bibliothek, arbeitsplätze) verbunden, aber auch voneinander selbständig.
jedes raummodul ist nach innen verdichtbar (galerie-platform).
die breite, vorgelagerte loggienzone als „nebenraumzone“ ist klimatischer pufferraum, ist gartenersatz, ist gemeinsamer zusatzraum, oder ist vom individualraum einverleibte raumerweiterung (grosse doppeldrehtüren). sie ist also eine zusätzliche, sozialisierende raumzone.


wohnen im FREIraum – freiraumkonzept
text: di carla lo, landschaftsarchitektin, wien

im westen, entlang der gut erhaltenen bäume der fürstenallee sind geschützte, grosszügige eigengärten situiert. die eingangsbereiche werden durch grossformatige plattenbeläge (rasenfugen) gestaltet und mit fahrradstellplätzen u. kleinen, zugeordneten müllinseln ausgestattet.
an der ostfassade, zum innenhof orientiert, befindet sich eine allgemein zugängliche holzterrasse. diese kann von allen bewohnerinnen der erdgeschosszone gleichermassen genutzt werden und ist von der allgemeinzone durch einen gräser- und staudenpuffer abgetrennt. diese pflanzfläche bringt einen reichhaltigen blühaspekt mit unterschiedlicher jahreszeitlicher wirkung.

im zentrum der anlage liegt eine grosszügige und nutzungsoffene rasenfläche, die durch solitärbäume (z.b. acer campestre) beschattet wird. diese kann für unterschiedliche aktivitäten wie feste und vernissagen, sowie als aneignungsfläche oder bewegungsfläche für kinderspiel genutzt werden. zusätzlich bietet diese zusammenhängende rasenfläche einen visuellen anreiz für die bewohnerinnen der oberen etagen.
entlang der südlichen grundgrenze verläuft der fussgänger- und fahrradweg, dieser schafft eine direkte verbindung zwischen fürstenallee und nonntaler hauptstrasse und gibt der galerie eine adäquate öffentlichkeit ohne den freiraum im inneren wesentlich zu belasten. der weg besteht aus einer wassergebundenen decke.
entlang der nördlichen grundgrenze, parallel zum frei gelegten „gerinne“, verläuft ein schmaler fussweg welcher in eine naturnah bepflanzte fläche eingebettet ist. hier entsteht ein „wilder“ rand mit unterschiedlichen böschungswinkeln um auch kindern die zugänglichkeit zum wasser zu gewähren. raumgliedernde elemente entlang der nördlichen grundgrenze sind das polierstöckel sowie die bestehende holzhütte in reduzierter variante. den gemeinschaftsräumen im polierstöckel ist ein kleinkinderspielbereich (sandspiel und bewegungsspiel) mit sitzbereich vorgelagert. die holzhütte bleibt in reduzierter form (pfosten und pfetten) bestehen und wird als pergola genutzt.
die eigengärten im 2. obergeschoss werden als intensive dachgärten ausgestaltet.


kontinuität mit innovationspotential
text: norbert mayr / architektur aktuell / 3.2011

auch maria flöckner und hermann schnöll verwarfen die option eines neubaus im norden des hofs. zu stark würde er qualität und großzügigkeit des freiraums beeinträchtigen. sie konzentrierten den großteil der baumasse in einem differenzierten baukörper entlang der fürstenallee anstelle des kasernengebäudes. diese städtebauliche kontinuität verbanden sie mit drei durchgesteckten wohnungstypen, die alle an der ebenfalls weiterentwickelten qualität des innenhofs partizipieren. südlich entlang der gestüthalle sahen die architekten gemeinsam mit landschaftsarchitektin carla lo einen kommunalen weg vor. er stärkt den öffentlichen charakter der künftigen nutzung als kunstgalerie und sichert den innenhof als ruhigen, „privaten“ freiraum. dessen zentrum bildet eine großzügige, nutzungsoffene rasenfläche mit solitärbäumen. das polierstöckel an der grundgrenze wird für gemeinschaftsräume verwendet, ebenso soll die holzhütte in reduzierter form als pergola stehen bleiben, dazwischen wird der kleinkinderspielbereich angelegt.

ein gräser- und staudenpuffer trennt den hof von der holzterrasse vor den erdgeschoßigen wohnungen. der neubau soll drei ausdifferenzierte, durch großzügige verglasungen gekennzeichnete wohnungstypen aufnehmen. dem typ „offene struktur“ in erd- und erstem obergeschoß mit dazwischengeschalteten, halböffentlichen zonen folgt das raummodul „typus wohnen“ mit angegliederten, intensiven dachgärten. innerhalb der volumina sind unterschiedliche ausbaugrade zwischen 2-zimmer-loft und 6-zimmer-einheit möglich. ebenfalls zwischenebenen aufnehmen kann der besonders bemerkenswerte typus „nutzungsneutrale räume“ darüber in den baumkronen der fürstenallee. seinen wohnungen ist eine breite, multifunktionale loggienzone vorgelagert, die installationsstränge verlaufen in der achse des flures und ermöglichen so eine große flexibilität.

die architekten schlugen vor, auf die sockelzone des „großen stalls“ mit seiner denkmalgeschützten halle wohnungen in einer leichten holzkonstruktion zu setzen. sie bilden mit dem neuinterpretierten baubestand an der nordgrenze ein ensemble aus alt und neu. das siegerprojekt wird im rahmen des laufenden verhandlungsverfahrens überarbeitet. so muss die baumasse der projektierten wohnstruktur auf dem „großen stall“ in die kompakte großform des neubaus integriert werden. das siegerprojekt zeichnet sich durch konzeptuelle qualität und bemerkenswerte wohnungstypen aus. es verdient auch eine anspruchsvolle umsetzung und detailierung.

der gestaltungsbeirat der stadt salzburg hat entgegen der aktuell gültigen dichte (= bgf/grdfl) von max. 0,6 den bauherren bei einer „städtebaulich verträglichen“ lösung eine erhöhung auf 0,7 in aussicht gestellt. das gremium ist auch dafür verantwortlich, die architekten bei der realisierung der qualitäten ihres siegerprojekts zu unterstützen.