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kinder- und jugendhort taxham

kinder- und jugendhort salzburg-taxham // 6 gruppen / 1.680 m2 nettonutzfläche / 8.670 m3 umbauter raum /netto euro 285/m3 baukosten / wettbewerb: iv – vi/1998 / bauzeit: vii/1999 – vi/2000 / bauherr: stadtgemeinde salzburg / adresse: otto v. lilienthalstrasse 1, a-5020 salzburg.


1997 beschloss die stadtverwaltung, unter architekten und bauträgern (teambildung) einen zweistufigen wettbewerb auszuloben. die örtliche schulanlage sollte im schulhof um einen 6-gruppigen hortneubau zur nachmittagsbetreuung für zirka 150 schüler (6-14 jahre) erweitert werden. ziel der auslobung war es, an ein innovatives projekt bei garantierter werk- und preistreue zu gelangen.

planungsteam wettbewerb

wesentlich für die bewältigung dieser herausforderung war die intensive, disziplinenübergreifende zusammenarbeit bereits während der projektentwicklung (wettbewerb). das wissen und die erfahrung der energieplaner, statiker und des dann ausführenden holzbauwerkes konnte so sehr früh in den entwurf integriert und von diesen auch umgesetzt werden.

maria flöckner und hermann schnöll / konzept, wettbewerbskoordination // immorent ag, linz / bauträger, kostenschätzung, kostengarantie // gmi gasser & messner ingenieure, dornbirn / energieplaner, -konzept // kaufmann holzbauwerk, reuthe / klimahülle // irmgard wallner, salzburg / kinderpädagogin // roman hauser, puch / umweltanalytiker // pgh zt-gmbh, linz / statische prüfung bestand

arch. horst lechner / beratung des auslobers // arch. roland gnaiger, arch. georg huber, sr di gerd müller, di helmut krapmeier, bmstr. helmut hopfner, sr dr. gerhard doblhammer, arch. johannes schallhammer, hortleiterin lieselotte gierlinger / preisgericht


milieu

pädagogische prioritäten
lebensbedürfnisse und -erfahrungen / soziales gefüge im hort / sinnliche qualitäten der lebensumwelt / beteiligte

raummilieu
nutzungsvarianten der gruppenräume/raumboxen 1-6 / kinderzimmersatellit

bewegung
bedürfnis nach bewegung / nutzungsflexibilität

wesen, innere struktur
form / kommunikation / räume / raumkontinuum

material, licht
gesamte hüllfläche holz / wasserräume / lichträume

umfeldsynergien
als sensorium zum umfeld der schulen ist der hort dem sporthallentrakt als leichte haube aufgesetzt

freiraum
der freiraum als knappe ressource gewinnt zunehmend an bedeutung für den einzelnen und die gemeinschaft


technik

auf bauplatzsuche
in der wettbewerbsauslobung wird eine überbauung des bestandes nur als bedingt möglich beschrieben.
nachdem wesentliche bauteile des entwurfs auf den bestehenden sporthallen situiert sind, wurde die standberechnung der fa. interplan-salzburg auf die statischen bedingungen einer realisierung überprüft. es konnte nachgewiesen werden, daß die vorhandene tragkonstruktion – mit den nachstehend angeführten verstärkungsmaßnahmen – in der lage sein wird, die zusätzlichen einwirkungen im sinne der geltenden ö-normen sicher aufzunehmen. (pgh, linz)

im gegensatz zum vom auslober vorgesehenen bauplatz im schulhof setzten wir den neuen hort als “wärmende holzhaube” den bestehenden, eingeschossigen sporthallen zwischen volks- und hauptschule auf.
dadurch konnte eine energieoptimierte lösung für den bestand und den hort erreicht und die weitere verbauung des wertvollen freiraumes hof vermieden werden.
das besetzen dieses sehr öffentlichen ortes durch das große holzvolumen (dachraum) wird durch die über bestehende hallenbegrenzungen hinausgestreckten “fühler” – baukörperausbuchtungen und weganbindungen – verstärkt. es ermöglicht den kindern und jugendlichen die teilnahme am öffentlichen alltag, am geschehen im spielhof und den schwimm- und sporthallen im gebäudeinneren.

über den sporthallen
der neu errichtete holzbau steht im bereich der bestehenden hallen auf einer abfangungsdecke aus vorgespannten betonhohldielen und hält die lasten von der bestandsdecke fern. die lasten der neuen decke werden über stb-fertigteile (spannweite 25m) auf die bestehenden stützen und wände aufgelagert. somit blieb auch die bestehende schwarzdeckung grossteils intakt.
durch die festigkeitssteigerung der vorhandenen betonstützen (bauzeit bestand 1968-1972) ist die notwendigkeit einer ertüchtigung nur im geringen ausmass durch injektionen der fundamente notwendig geworden.
die lasten der ausserhalb der hallen liegenden bauteile werden in form von kragkonstruktionen in den bestand eingeleitet bzw. durch einzelne wandscheiben (gartenzimmer) im hofbereich abgetragen.

holzbau – leichtbau
das raumschließende tragwerk besteht aus einer bauphysikalisch hochwertigen holzkonstruktion. diese konstruktion ist sehr leicht (eigengewichte – dachelemente ca. 50 kg/m2; wandelemente ca. 40 kg/m2) und belastet den bestand gering. deren aufgehende wände und dachebenen bestehen aus vorgefertigten wand- und deckenelementen.
dieses prinzip erlaubte eine nur kurzfristige unbenützbarkeit der turn- und schwimmhalle, d.h. die entsprechenden arbeiten (statisch notwendige bestandsveränderungen) konnten in der ferienzeit von juni bis september 1999 ausgeführt werden.
die vorgefertigten, jeweils 2 m breiten, hochwärmegedämmten wandelemente sind tragend. die dachelemente – mit den wandelementen steif vernagelt – wurden zu großflächig aussteifenden scheiben verbunden. um eine möglichst transparente halle zu schaffen, sind die dachlasten im innenraum mit 2 stahl-stützenreihen (ø 16 cm, feldgrößen bis 11,5 x 6,5 m) abgeleitet. die montage erfolgte von innen, sodaß auf ein stationäres fassadengerüst verzichtet werden konnte.


energieplanung

text: gmi gasser messner ingenieure – dornbirn

ein wesentlicher energetischer aspekt des kinderhortneubaus ist die situierung auf dem dach der bestehenden turnhalle und des bestehenden schwimmbades. damit ergeben sich nahezu über die gesamte bodenfläche des kinderhorts keine signifikanten wärmeverluste nach unten und es erfolgt gleichzeitig eine vermeidung der derzeit bestehenden dach-wärmeverluste des bestands.

das energetische konzept zielt durch eine sehr gute gebäudehüllenqualität des kinderhorts und eine kontrollierte be- und entlüftung mit hocheffizienter wärmerückgewinnung darauf ab, daß der heizwärmeverbrauch des neubaus den vermiedenen verlusten über das dach des bestands entspricht.

kontrollierte lüftung mit hocheffizienter wärmerückgewinnung
ausgezeichnete luftqualität (max. 1000 ppm co2-konzentration), starke reduzierung der lüftungswärmeverluste über zentrale wärmetauschereinheit mit hohem wirkungsgrad (75% im durchschnittlichen lüftungsbetrieb).

heizung über die lüftung
beheizung des gebäudes mit ausnahme der bereiche halle, büro/isolierraum und duschräume über die lüftung bei den hygienisch erforderlichen mindestluftwechselraten. damit rasche regelbarkeit der heizung (aufheizvorgänge, reaktion auf innere und solare wärmegewinne) und entfall des entsprechenden aufwands für ein wassergeführtes heizsystem. eine fußbodenheizung ist in den gruppenräumen nicht erforderlich, weil die heizlast über die lüftung abgedeckt werden kann, die fußbodenoberflächentemperaturen im bereich der raumtemperaturen liegen und über den „warmen“ fußbodenbelag holzparkett dem fuß keine wärme entzogen wird.

heizung halle, büro/isolierraum und duschräume über fußbodenheizung
grundlastabdeckung der heizung für das gesamte gebäude ohne lüftungsbetrieb, angenehme temperierung der fußbodenoberflächen, einfache ausführungsmöglichkeit aufgrund des offenen grundrisses.

kurzes luftkanalnetz, energieoptimierte ventilatoren und regelung
gesammelte abluft zentral über sanitär- und nebenräume, überströmöffnungen von den zulufträumen. energie- und kostensparender lüftungsbetrieb durch starke reduzierung des druckverlustes, investitionskostenreduzierung beim luftkanalnetz. | leitungsplan

natürliche lüftung
automatisch öffenbare fensteranteile in der fassade und dachoberlichten im gebäudekern, damit natürliche belüftung und grundlüftung des gebäudes in der übergangszeit und im sommer.

kühlung ohne klimaanlage
komfortable, kühle raumtemperaturen bei hohen inneren wärmelasten ausschließlich über eine natürliche nachtlüftung und nachtkühlung der thermisch speicherwirksamen oberflächen (i.w. fußböden).

vergleich zu ursprünglichem wettbewerbskonzept
das architektonische und haustechnische wettbewerbskonzept sah ursprünglich einen geschliffenen estrich mit fußbodenheizung in den gruppenräumen vor, sowie eine heizung der halle im wesentlichen über die abwärme der zuluftrohre mit geringen ergänzungen über fußbodenheizung. als folge der zusätzlich vom bauherr gewünschten großflächigen beheizung der halle über fußbodenheizung, sowie des bodenbelags parkett in den grupeenräumen ergab sich die möglichkeit, auf die fußbodenheizung in den gruppenräumen zu verzichten. zur vermeidung von überwärmung im hallenbereich und für eine entsprechende heizleistungseinbringung in die gruppenräume waren jedoch dann die zuluftrohre gut zu isolieren.

dynamische gebäudesimulation
zur energetischen gebäudebeurteilung wurde das simulationsprogramm trnsys angewendet. das ergebnis der dynamischen gebäudesimulation ist die genaue darstellung der zeitabhängigen, raumklimatischen vorgänge in einem gebäude in abhängigkeit vom außenklima, den nutzerprofilen, der gebäudekonstruktion und der technischen gebäudeausrüstung.

das ergebnis zur heizenergiekennzahl, sowie einen vergleich mit dem bestand und mit üblichen kennwerten zeigt das untenstehende diagramm.


© stefan zenzmaier, kuchl


team

maria flöckner und hermann schnöll / architektur und planungskoordination
bmstr. bernhard schnöll, salzburg / ausschreibung
gmi gasser & messner ingenieure, dornbirn / energie- und haustechnik
e-plus planungsteam, egg / blower-door-test
dr. lothar künz, hard / bauphysik
pgh zt-gmbh, linz / statik massivbau
gtm gebäudetechnik management, frankenmarkt / elektro und bauleitung haustechnik
kaufmann holzbauwerk, reuthe / klimahülle – holzbau
merz & kaufmann, dornbirn / statik holzbau
ilse haider & mona hahn, wien / kunst am bau
immorent ag, linz / bauträger, projektmanagment und bauleitung (öba)
stadtgemeinde salzburg / bauherr und begleitende kontrolle

kaufmann holzbauwerk, reuthe / holzbau, zimmermannsarbeiten
ilbau gesmbh, hallein / baumeisterarbeiten
schurich gesmbh, salzburg / heizungs-, sanitär-, lüftungsinstallationen
johann gschaider, obertrum / stahlstiegen, schlosserarbeiten
glas & rahmen, ebenau / fixverglasungen
alfred kaar gesmbh, bad leonfelden / möbeltischlerarbeiten


rezeption

2022 / BILDUNGStRÄUME – raumaspekte des aktuellen bildungsdiskurses (architekturhaus salzburg)
2021 / holzbau salzburg | 20 jahre | 20 beispiele (architekturhaus salzburg)
2010 / baukunst in salzburg seit 1980 (mury salzmann verlag)
2010 / form & energy. architektur in_aus österreich (ausstellungszentrum im ringturm / katalog)
2008 / before architecture. vor der architektur (bettina götz (hrsg.) / springer verlag)
2007 / schulen und kindergärten (entwurfsatlas / mark dudek / birkhäuser verlag)
2006 / stadtbühne und talschluss (baukultur in stadt und land salzburg / norbert mayr / otto müller verlag)
2006 / kinderträume erlebnisräume: land salzburg (kammer der architekten und ingenieurkonsulenten, salzburg)
2005 / holz in der gemeinde (holzbauten mit öffentlicher nutzung / edition 05 / proholz austria)
2005 / in/aus/nach: salzburg (freie universität, bozen)
2004 / in/aus/nach: salzburg land (wanderausstellung in neumarkt, radstadt, hallein, goldegg, saalfelden, ramingstein)
2004 / frauenarchitektouren (arbeiten von architektinnen in österreich / verlag anton pustet)
2004 / kinder- und jugendhort in salzburg (bauen mit holz / detail heft 2004/1+2)
2004 / in/aus/nach: salzburg (künstlerhaus, salzburg)
2003 / making waves (ausstellung in shanghai, nanjing, beijing, guangzhou, shenzhen, hongkong) / text
2003 / bauherrenpreis arch+ing / mehr
2003 / salzburg besser bauen (architekturreform – die letzten 10 jahre / verlag anton pustet)
2003 / foyer pour mineurs (le bois / l’architecture d’aujourd’hui 347)
2003 / in/aus/nach: salzburg (galerie im ringturm, wien / hda kärnten, klagenfurt)
2002 / espacio para actividades extraescolares (ciudad usada ii / quaderns 235)
2002 / holzbau auf der überholspur (lebhaft unter der holzhaube / norbert mayr // rondo–spezial / kurator otto kapfinger / der standard) / text
2002 / kis osztrák építészet (martinkó jószef / octogon architecture & design 2002/4)
2001 / emerging architecture 2 – ten more austrians (otto kapfinger / springer verlag)
2001 / architekturlandschaften + stadtteiltherapien (norbert mayr / architektur aktuell) / de / en
2001 / gutes bauen mit holz (werner thuswaldner / sn) / text
2001 / holzbaupreis salzburg / mehr
2001 / energiepreis des landes salzburg
2001 / nominierung zum mies-van-der-rohe-award der europäischen union
2000 / ein hort der offenheit (norbert mayr / sn) / text
2000 / beste bauherren (jana wisniewsky / sn) / text
2000 / österreichischer bauherrenpreis / mehr
2000 / architekturpreis salzburg 1976-2000 (verlag anton pustet)
2000 / soft landing – bauen ohne boden (roman höllbacher / architektur & bauforum) / text
2000 / architekturpreis des landes salzburg / mehr
1998 / wettbewerbe 175/176/177