von: jana wisniewski / sn / 18.11.2000
gute architektur hat mindestens zwei urheber: den planenden architekten und den bauherrn. letzterer verdient, wenn er die sache gut macht, alle ehre.
der bauherrenpreis ist zur unverzichtbaren einrichtung geworden, das beweist jedes jahr eindringlicher die darauf bezogene ausstellung im architekturzentrum wien. prämiiert werden nicht nur kühne experimente, sondern auch vorbildliche revitalisierungen.
man ist überrascht, wie viel beispielgebende architektur dann doch realisiert wird in österreich, wenn auch bei der preisvergabe immer anklingt, wie wichtig stehvermögen bei der realisierung ist.
von allergrößter wichtigkeit ist die kommunikation zwischen architekt und bauherr. besonders seitens der architekten ist man in österreich froh darüber, noch mit realen personen, ob es nun privatpersonen oder klar definierte zuständige der kommunen sind, verhandeln zu können. auf internationaler ebene ist das kaum noch jemals gegeben.
als unkonventionellstes projekt kann man die schlosserhalle mit bar in trumau, nö, bezeichnen: ein kleines architekturjuwel auf der grünen wiese, ein kubus aus rostendem eisen mit eleganten fensterschlitzen. hier haben sich die „pool architekten“ mit den auftraggebern, uschi und ernst hofmann, nicht nur blendend verstanden, beide seiten bewiesen auch bei der verleihung sprachwitz.
den spott der nachbarn wird dieser bauherr aushalten. sicher wird sich das blatt ganz schnell wenden.
als engagiertester privatinstanz in unübersehbarer größenordnung wurde den kunstsammlern essl und dem architekten heinz tesar zum neubau eines museums, in dem man kunst auch wirklich zeigen kann, gratuliert. das schicke hochhaus am donaukanal hat laut bauherr generali (in den letzten jahren angenehm aufgefallen) nicht nur bezüglich optimaler nutzungsmöglichkeit bestochen, es hat sogar dem konkurrenten jean nouvel gefallen. gern schmückt sich generali mit weltstar hans hollein, hat aber auch schon jungen architekten zum beginn einer karriere verholfen.
auch mit schlichten gebäuden für kommunale nutzung kann man gewinnen: der kinder- und jugendhort taxham von den jungen architekten flöckner und schnöll beweist es. hier geht es um die adaption und erweiterung vorhandener bausubstanz, das resultat wirkt aber sehr locker und angenehm. die ehre steht in diesem fall der stadt salzburg zu.