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Wie Phoenix aus der Asche


„Im Grunde ist es ja nur dieser Moment vor der Stuhlreihe, diese Mischung aus Draußen und Drinnen, draußen die Aussicht und drinnen der Luxus, der sich zeitlebens vergebens bemüht hat, dem Draußen gerecht zu werden. Das Draußen ist geblieben. Und das Drinnen existiert inzwischen nicht mehr.“, schrieb der Schriftsteller Andreas Maier über das alte Hotel Kobenzl am Gaisberg.

Pressemitteilung am Dienstag, 17. März 2026:

Nach Jahren des Dornröschenschlafs ist die langsam verfallende und beinahe in Vergessenheit geratene Location des Hotel Kobenzl am Gaisberg wieder in aller Munde; wachgeküsst durch die Salzburger Architekten Maria Flöckner und Hermann Schnöll – „in zurückhaltender Schönheit“, wie es in der Jurybegründung heißt, als präzises, luftiges und beinahe archaisches Ensemble.

Ausgangspunkt und Anstoß des Architekturprojekts

Nach einigen Jahren des Leerstands und langsamen Verfalls präsentierte sich das ehemalige Luxushotel Kobenzl in einem ziemlich desolaten Zustand, sodass ein substanzbewahrendes Upcycling aus ästhetischen und ökonomischen Gründen nicht mehr in Frage kam. Um diesen denkwürdigen Ort wiederzubeleben und einen zeitgemäßen Neubau zu initiieren, haben sich die Eigentümer 2025 dazu entschlossen, ein Architekturverfahren mit acht Teilnehmern aus Italien und Österreich durchzuführen – mit der Auflage des Gestaltungsbeirats, das neue Projekt mit der umgebenden Landschaft zu verweben und den Ort respektvoll weiterzuentwickeln.

Das Vergabeverfahren

Durchgesetzt haben sich dabei die renommierten Salzburger Architekten Maria Flöckner und Hermann Schnöll, bekannt geworden durch ihren experimentellen Umgang mit Räumen und 2023 für den Neubau des Mozarteum-Foyers mit dem österreichischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet. Die Entscheidung zugunsten des Entwurfes des Architekturduos durch die fünfköpfige Jury unter Vorsitz von Architekt Udo Heinrich fiel einstimmig. Weitere Mitglieder dieser Jury waren neben Dominik Bückers (Vorsitzender des Salzburger Gestaltungsbeirats) und Prof. Michaela Wolf (ebenfalls Mitglied des Gestaltungsbeirats) auch Vertreter des derzeitigen und künftigen Eigentümers und die Planungsstadträtin Anna Schiester.

Das Hotel als kulturelle Instanz

Das Kobenzl war nie einfach ein Hotel oder wollte es zumindest niemals sein. Es war in seiner Blütezeit ein Statement, ein Versprechen und spätestens seit Wernher von Brauns Geburtstagsfeuerwerk auf der Hotelterrasse, das geheimnisvoll mit der ersten Mondlandung kollidierte, immer auch ein Mythos, der sich selbst weitererzählte. Als Bleibe schillernder Persönlichkeiten, als erhabener Zufluchtsort im heißen Festspielsommer, als exzentrischer Treffpunkt zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld oder als Konzepthotel für Literatur mit Zimmern für Proust, Beckett, Bachmann und Bernhard.
Zudem war das Hotel Kobenzl bekannt für sein Gegenüber – ein spektakuläres Alpenensemble aus Hochstaufen, Untersberg, Watzmann und Göll –, den weitläufigen Rundblick auf das Salzburger Becken und die luftige Draufsicht auf die Salzburger Altstadt mit Dom und Festung. Kurz: Es hatte alles, was eine besondere Lage ausmacht. Deshalb wirkt es auch wie eine naturgemäße Fügung, dass ähnlich wie beim französischen Terroir, wo in den besten Lagen nur die besten Rebsorten gepflanzt werden dürfen, an dieser Stelle nun auch hochwertige Architektur wachsen darf.

Am Puls der Zeit als „Beobachtungsstelle der Natur“
Auszug aus der Projektbeschreibung der Architekt:innen

„Im Grunde ist es ja nur dieser Moment vor der Stuhlreihe, diese Mischung aus Draußen und Drinnen, draußen die Aussicht und drinnen der Luxus, der sich zeitlebens vergebens bemüht hat, dem Draußen gerecht zu werden. Das Draußen ist geblieben. Und das Drinnen existiert inzwischen nicht mehr.“

Prämissen
Die unmittelbare Wahrnehmung der ländlichen Atmosphäre in der voralpinen Topografie, geprägt von Berglandschaft und Witterung, bildet die Grundlage des Entwurfs. Im Gegensatz zur traditionellen Bebauung wird eine weite Öffnung des Hauses zur Landschaft hin angestrebt. Die Berglandschaft flutet unter der Wiesendecke durch das Haus hindurch. Natürliches Licht wird zum vorherrschenden Mittel, künstliches Licht wird nur gedämpft und in kleinräumlichen Sequenzen eingesetzt. Es werden vorzugsweise naturnahe, handwerkliche Baustoffe wie Holz und Stein sowie organische oder mineralische Baumaterialien, beispielsweise Gewebe mit traditionellem Blaudruck oder keramische Belagsvariationen, verwendet.

Landschaft
Der Aufenthalt erfolgt in einer grundsätzlich biologisch intakten (Flora und Fauna) moderat alpinen Berglandschaft. Es soll die mittlerweile in Teilen verlorene Naturbeziehung belebt werden. Die Bergwiese (Frühling, Sommer, Herbst, Winter), der Bergwald, das Bergwild, Bienenzucht und die Tierweiden in Kombination mit der angrenzenden Wald-, Wiesen- und Felslandschaft bilden die wesentlichen Elemente der Landschaftsgestaltung.

Hotel
Das ehemalige Hotel Kobenzl (es liegt mehr als 300 Meter über dem Talboden) war bekannt für den aussergewöhnlichen Ausblick auf die Salzburger und Bayrischen Kalkalpen, das weitläufige Salzburger Becken sowie die Sicht auf die Salzburger Altstadt mit Dom und Festung Hohensalzburg. Das Projekt baut auf diesen Qualitäten auf. Alle Zimmer und Suiten sowie der Gastraum des Restaurants sind konsequent zum weit offenen Land, zum Tal hin orientiert; zusätzlich aber auch zur nahe gelegenen Bergseite, dem Gaisberg. Die unmittelbare Wahrnehmbarkeit der atmosphärischen Bedingungen wie Sonne, Regen, Schnee, Wind, Nebel, Wolkenzug, Vogelgezwitscher, das Summen der Insekten, sind wesentliche Bestandteile der Herangehensweise. Die luftigen Räume dienen als Beobachtungsstellen der Natur. Eine durchgehende Aussichtskante hoch über dem Tal ist für alle Bereiche der Gastronomie und der Hotelsuiten vorgesehen, die talseitige Dachkante vor den Suiten erzeugt zeitweilig einen feinen Regenvorhang …

Hotelumfeld
Talwärts bildet ein schmales Band in Form eines brüstungshohen Wassertrogs die Zäsur zwischen Hotel (Zimmer, Suiten, Gastronomie) und Landschaft. Vorgelagert erstreckt sich ein Bergobstgarten mit ortstypischen, alten Obstsorten; darin eingebettet ein Schwimmbassin in Form eines Beckens und eine kleine Liegewiese unter Obstbäumen. Ein Kräutergarten versorgt die Küche. Bergseitig überzieht eine dichte Blumenwiese das Dach des Spa-Bereichs. Auf dem kleinen bergseitigen Hügel steht ein hölzerner Turm inmitten hochstämmiger Bäume. Ein seitlicher Hohlweg führt um den Hügel zur gedeckten Vorfahrt mit Zugang zum Gastronomiebereich und Hotel. Kleinräumige Landschaften in den bergseitig vorgelagerten Geländesenken, bestehend aus Blumenwiesen und höheren, blühenden Sträuchern als Abschirmung gegen Einblicke, ermöglichen die ungestörte Aussicht auf den Berg von den Galerien der unteren Zimmer.

Ein Ensemble mit zeitloser, beinahe archaischer Wirkung
Auszug aus dem Juryprotokoll


Der Entwurf überzeugt durch eine Architektur von klassischer, zurückhaltender Schönheit und einer hohen gestalterischen sowie räumlichen Qualität. Mit seiner klaren und präzisen Setzung fügt sich das Projekt selbstverständlich in die Topografie ein und entwickelt zugleich eine markante, ruhige Präsenz. Die linearen Baukörper folgen den Konturen des Geländes, verankern das Ensemble im Ort und erzeugen eine zeitlose, beinahe archaische Wirkung.

Besonders hervorzuheben ist das sensible Zusammenspiel von Material, Landschaft und Wasser. Die Gegenüberstellung des leichten, vertikal akzentuierten Holzturms und des massiven, horizontalen steinernen Baukörpers schafft ein ausgewogenes Spannungsverhältnis. Holz und Stein verbinden sich zu einer klaren, dauerhaften Materialkomposition, die Nähe zur Natur, Beständigkeit und architektonische Klarheit vereint. Der atmosphärisch ausgearbeitete Umgang mit dem Wasser verstärkt diese Wirkung und trägt wesentlich zur räumlichen und landschaftlichen Qualität des Ensembles bei.

Auch im Inneren (insbesondere Spa- und Wellnessbereich) überzeugt der Entwurf durch sorgfältig komponierte Räume von hoher atmosphärischer Dichte. Großzügige Öffnungen, gezielte Blickbeziehungen und fein abgestimmte Übergänge erzeugen eine klare und zugleich vielschichtige Raumwirkung. Der Spa-Bereich wird als konzentrierter, kraftvoller Raum wahrgenommen, geprägt durch Reduktion, Materialität und Licht.

Die Architektur entfaltet ihre Qualitäten nicht auf den ersten Blick, sondern in Schichten. Die präzise Verortung im Gelände, die ausgewogene Materialharmonie sowie der sensible Umgang mit Raum und Wasser verlangen eine intensive Auseinandersetzung und verleihen dem Projekt eine besondere
Tiefe.

Zahlen und Fakten zum Projekt

Im Vergleich zum gewachsenen und am Ende etwas durcheinander geratenen Bestandsobjekts bedeutet der Neubau eine bewusste Konzentration auf das Wesentliche, eine sensible Einbettung in die Naturlandschaft und eine Verkleinerung von 49 Zimmern auf nunmehr 30 Zimmer und 6 Suiten.

Zimmer und Suiten:
gesamt 36, davon 30 Zimmer (39-75 m2) und 6 Suiten (105-196 m2)

PKW-Stellplätze:
Tiefgarage mit 36 Stpl., 10 Besucherstellplätze


Hotel Kobenzl am Gaisberg, Schaubild, Architekten Maria Flöckner und Hermann Schnöll, 2026, © floecknerschnoell

Hotel Kobenzl am Gaisberg, Modell, Architekten Maria Flöckner und Hermann Schnöll, 2026, © floecknerschnoell

Die Verwendung des Bildmaterials ist ausschließlich in Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Architektenwettbewerb und den Neubau des Hotel Kobenzl und unter Angabe der angeführten Copyrights gestattet.